MINT interaktiv

Meine Lehraktivitäten beginnen bereits vor dem regulären universitären 1. Semester. Als Schulbeauftragter des Departments Chemie und Pharmazie ist es mir ein wichtiges Anliegen, bereits bei Schülerinnen und Schülern MINT-Interesse zu wecken und die Vernetzung der einzelnen MINT-Disziplinen aufzuzeigen. Neben einer Vielzahl von Schülerveranstaltungen bei uns im Department (siehe www.chemie.fau.de/schule), erfreut sich insbesondere auch die von mir entwickelte Experimentalvortragsreihe „Chemistry on tour“ großer Beliebtheit. Das Besondere dabei ist, dass die Themenbereiche direkt an den Schullehrplan anknüpfen und MINT-Themen insbesondere der Schulchemie, Chemie des Alltags sowie universitären Forschung anschaulich miteinander verknüpfen. Zusätzlich werden alle Teilnehmer interaktiv in die Vorlesungen eingebunden und können u.a. auch selbst Experimente durchführen. Weitere Informationen siehe www.chemie.fau.de/ontour. Ebenso ist die Lehrerinnen- und Lehrerbildung für mich von zentraler Bedeutung. Ein Überblick hierzu findet sich auf www.chemie.fau.de/fortbildung.

Ein weiteres wichtiges Anliegen in meiner Lehre ist die Verbesserung des Übergangs von der Schule zur Universität. Daher habe ich den Brückenkurs des Departments Chemie und Pharmazie maßgeblich mitentwickelt. Neben der Wiederholung von relevantem Schulwissen aus den MINT-Fächern, habe ich mir als Ziel gesetzt, den Studierenden die Studieneingangsphase mit einer Vielzahl an Tipps und Hilfestellungen zu erleichtern.

Gerade in den ersten Semestern ist es für Studierende oft eine Herausforderung, die Bedeutung und Relevanz einzelner Themen sowohl für die spätere Klausur als auch das weitere berufliche Umfeld richtig einzuordnen. Häufig warten die Studierenden zunächst zu lange ab und versuchen, erst kurz vor der Klausur die Themengebiete auswendig zu lernen und somit nicht vollständig zu verstehen. Erfolgreiche Abhilfe schaffte hier die Umstrukturierung zur interaktiven Grundvorlesung. Studierende werden zur aktiven wissenschaftlichen Diskussion in und außerhalb der Vorlesung animiert. Ein Online-Trainingscenter steht ergänzend auf der eLearning-Plattform vorlesungsbegleitend zur Verfügung. Zur Motivation der stetigen Mit- und Nacharbeit der Vorlesungsinhalte werden auf der eLearning-Plattform den Studierenden zahlreiche Tipps und Übungsaufgaben zur Verfügung gestellt, sofern diese kontinuierlich mitarbeiten. Als Dozent erhalte ich automatisch vor jeder Vorlesung ein Feedback über den aktuellen Leistungsstand der Studierenden und kann rechtzeitig in der Vorlesung erklärend bzw. motivierend eingreifen. Negative Überraschungen in der Abschlussklausur sind somit ausgeschlossen. Ein Online-Grundwissen-Fitness-Center ermöglicht den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ggf. fehlendes Grundwissen aus der Schulzeit aus dem gesamten MINT-Bereich aufzufrischen. Außerdem werden in der Vorlesung die Studierenden angehalten, eigene Alltagsfragen passend zum aktuellen Lernstoff zu formulieren. Diese dienen dann zu Beginn der nächsten Vorlesung als Wiederholung und werden gemeinsam diskutiert. Seit dem aktuellen Wintersemester ist es zusätzlich möglich, einzelne Fragestellungen mit Hilfe von mobilen instrumentellen Methoden auch experimentell direkt in der Vorlesung zu lösen. Somit möchte ich das Transferdenken fördern sowie zur Stärkung der Forschungsorientierung in der Lehre beitragen. Gleichzeitig zeigt sich bereits jetzt durch die Maßnahmen eine deutliche Erhöhung des Interesses und der Attraktivität an bisher abstrakten Vorlesungsinhalten.

Individuelles und zeitgemäßes Lernen nimmt in meiner Lehre eine zentrale Bedeutung ein. Daher engagiere ich mich auch sehr im Bereich des Aufbaus, der Weiterentwicklung und der Durchführung von eLearning-Angeboten. Die Übung „Datenauswertung und Visualisierung“ habe ich als Online-Kurs konzipiert und auf unserer universitätseigenen eLearning-Plattform aufgebaut. Die Betreuung der Studierenden erfolgt in Kleingruppen über eTutoren, die von mir vor Kursbeginn umfassend ausgebildet werden. Das Besondere: Studierende können hier selbstständig die Geschwindigkeit des Lernprozesses festlegen und werden dennoch individuell betreut.

Im Bereich der Masterstudiengänge liegt mein Schwerpunkt bei der Vermittlung elektrochemischer Aspekte. Dafür habe ich ein komplett neues Elektrochemie-Wahlmodul, bestehend aus zwei Vorlesungen, zwei Seminaren und einem Praktikum konzipiert, hierfür Mittel eingeworben und erfolgreich umgesetzt. Die einzelnen Lehrveranstaltungen bauen so aufeinander auf, dass im Praktikum freies Experimentieren ohne starre Praktikumsanleitung möglich ist und somit eine sehr gute Vorübung für die spätere Masterarbeit im MINT-Bereich bietet.

Abschließend ist es für mich auch wichtig, die Faszination und Bedeutung des MINT-Gedanken einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Rahmen habe ich beispielsweise auch die erste interaktive Experimentalvorlesung für die ganze Familie konzipiert, bei der das Publikum direkt viele Experimente selbst ausprobieren kann und somit der MINT-Erlebnisfaktor einer derartigen Veranstaltung steigt. Während der letzten Langen Nacht der Wissenschaften konnten beispielsweise 300 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig im Hörsaal experimentieren. Weitere Informationen und Impressionen finden sich auf www.chemie.fau.de/nacht. Eine Übersicht über alle bisherigen populärwissenschaftlichen Vorträge finden sich hier.

Das Projekt MINT interaktiv ist Preisträger des Ars legendi-Fakultätenpreises Mathematik und Naturwissenschaften 2017 in der Kategorie Chemie.