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Ehemalige

Emeriti, Professorinnen und Professoren im Ruhestand

Prof. Dr. Helmut Behrens († 04.03.2000)

Lehrstuhl für Anorganische und Allgemeine Chemie

Prof. Dr. Helmut Behrens ist am 04.03.2000 im Alter von 84 Jahren verstorben. Von 1961 bis 1980 war er Inhaber des Lehrstuhls für Anorganische und Allgemeine Chemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Behrens setzte sich dafür ein, dass 1972 das Institut für Anorganische Chemie einen großzügigen Neubau auf dem Südgelände beziehen konnte und damit gleichzeitig mit den Instituten für Physikalische und Technische Chemie eine Keimzelle für die heutige Technische Fakultät, deren Gründungsmitglied er war, gelegt wurde.

Prof. Dr. Helmut Behrens (Foto: M. Moll, FAU)

Vita

Nach dem Abitur in Oldenburg studierte Behrens im Sommersemester 1933 Chemie in Freiburg, wechselte aber wegen beginnender nationalsozialistischer Tendenzen schon zum Wintersemester an die Technische Hochschule München und beendete dort sein Studium 1938 als Diplomingenieur. Behrens habilitierte 1948 bei Prof. Walter Hieber mit Über eine neue Laboratoriumsmethode zur Darstellung von Kobaltcarbonylwasserstoff“ und über die Chemie der Metallcarbonyle in flüssigem Ammoniak und wurde 1960 außerordentlicher Professor an der TU München. 1962 nahm er einen Ruf als ordentlicher Professor und Vorstand des Instituts für Anorganische Chemie an die Universität Erlangen-Nürnberg an.

Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 150 Publikationen über die metallorganische Komplexchemie mit dem Schwerpunkt Metall-Kohlenmonoxid-Verbindungen. Professor Behrens hat sich leidenschaftlich für die Freiheit von Forschung und Lehre an den Deutschen Hochschulen eingesetzt. Für seine Verdienste um die enge Partnerschaft zwischen der FAU und der Universität Rennes verlieh ihm die Universität Rennes 1979 die Ehrendoktorwürde. Die TU München verlieh ihm 1990 die goldene Doktorurkunde.

Prof. Dr. Dietrich Breitinger († 13.11.2024)

Prof. Breitinger studierte Chemie an der Universität Tübingen und promovierte 1964 an der RWTH Aachen über Quecksilber-Stickstoff-Verbindungen. 1969 habilitierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und wurde 1971 zum Wissenschaftlichen Rat ernannt. Einen Ruf an die TH Darmstadt lehnte er ab. 1978 wurde er an der FAU zum C3-Professor für Anorganische Chemie berufen. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000 widmete er sein Leben der Chemie. So hatte er für die Studierenden immer ein offenes Ohr. Er veröffentlichte 1992 eine Anleitung für das Grundpraktikum, das sogenannte „Breitinger Skript“, in der er über 300 Versuche ausführlich erklärte. Auch außerhalb seiner Lehre engagierte sich Herr Breitinger für die Erlanger Chemie und nahm am Iron Chemist-Wettbewerb sogar als Einzelstarter an allen drei Triathlon-Disziplinen teil.

In seiner Forschung beschäftigte sich Herr Breitinger mit Metallomethanen und Edelmetallkomplexen sowie mit Strukturbestimmungen von Schwermetallchalkogenverbindungen und synthetischen Mineralien und deren Verwendung in der heterogenen Katalyse.

Prof. Dr. Klaus Brodersen († 24.11.1997)

Lehrstuhl für Anorganische und Analytische Chemie

Prof. Dr. Klaus Brodersen ist am 24.11.1997 im Alter von 71 Jahren verstorben. Brodersen war von 1964 bis zu seiner Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls für Anorganische und Analytische Chemie. Seine Forschungsschwerpunkte legte er auf die Strukturchemie von Quecksilberlegierungen und die instrumentelle Analytik. Außerdem begründete er die Tradition der Zaubervorlesung an der FAU in Erlangen, die er 1995 an seinen Nachfolger Prof. Dr. Rudi van Eldik übergab.

1926 in Dessau geboren studierte er, nach Kriegsende und Kriegsgefangenschaft, in Kiel und in Greifswald Chemie. Nach seiner Promotion 1951 wechselte er im selben Jahr an die Universität Tübingen, wo er 1959 habilitiert wurde. Er wurde Privatdozent in Tübingen bis er auf ein Extraordinariat an die Rheinische-Westfälische Technische Hochschule Aachen berufen wurde. 1964 nahm Prof. Brodersen einen Ruf auf das Ordinariat für Anorganische und Analytische Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg an. Trotz interessanter Rufe an andere Universitäten blieb Brodersen bis zu seiner Emeritierung 1994 und darüber hinaus diesem Institut treu.

Prof. Brodersen war Vorsitzender der Editionskommission der „Erlanger Forschungen“ der Universitätsbibliothek und Vorsitzender der Fördergemeinschaft des „Collegium Alexandrium“. Er betreute weit mehr als 100 Diplomarbeiten, 25 Zulassungsarbeiten zum Staatsexamen für Gymnasiallehrer und über 130 Dissertationen. Die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit sind in 150 Publikationen in chemischen Fachzeitschriften dokumentiert. Er war jahrelang im Vorstand des Bayerischen Forschungsverbundes Abfallforschung und Reststoffverwertung (BayFORREST). Von der VW-Stiftung wurden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Spurenanalyse unterstützt, die Prof. Brodersen gemeinsam mit dem National Research Center in Dokki/CAIRO durchführte.

Prof. Brodersen war Vorsitzender des Ehrengerichts der Gesellschaft Deutscher Chemiker sowie Mitglied der Royal Chemical Society in London.

Prof. Dr. Lutz Dahlenburg

Curriculum Vitae

1944Geboren in Dresden
1975Dissertation bei Prof. Dr. R. Nast, Universität Hamburg
1982Habilitation in Chemie an der Universität Hamburg
1991 – 2009Professur für Anorganische Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg
2010 – 2012Vertretung der Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. (i. R.) Rudi van Eldik, Lehrstuhl für Anorganische und Analytische Chemie, Universität Erlangen-Nürnberg

Forschung

1. Hauptgruppenelemente (N und P):

Aktivitäten: Konzeption und Synthese optisch aktiver Diphosphane und Aminophosphane.
Zielsetzung: Enantiomerenreine P2 – und N, P-Liganden, die eine Feinabstimmung der elektronischen und sterischen Eigenschaften des chiralen Grundgerüsts erlauben.

2. Übergangselemente (Platinmetalle):

Aktivitäten: Synthesen, Struktur- und Reaktivitätsuntersuchungen von Komplexen der Metalle Ru, Rh, Ir und Pt mit enantiomerenreinen Diphosphan und Aminophosphan- Liganden.
Zielsetzung: Verwendung dieser Platinmetallkomplexe in homogenkatalytischen Reaktionen.

3. Homogene Katalyse:

Aktivitäten: metallkatalysierte enantioselektive Synthese (Hydrierung, Hydroformylierung, C-C-Kupplung) mit optisch aktiven Platinmetallkomplexen.
Zielsetzung: Ermittlung von Struktur- Funktionsbeziehungen, welche erkennen lassen, wie sich fein abstimmbare sterische und elektronische Modifizierungen der P2 – und N, P-Steuerliganden auf die Aktivität und Selektivität der Katalysatorkomplexe auswirken.

4. Analytische Methoden:

neben Enantiomeranalytik vor allem auch Röntgenstrukturanalyse

Strukturmodell eines in der asymmetrischen Hydroformylierung katalytisch aktiven Chloro(neopentyl)platin(II)-Komplexes mit chiralem cyclo-C5H8(PPh2)2-Steuerliganden (Bild: FAU)
Strukturmodell eines in der asymmetrischen Hydroformylierung katalytisch aktiven Chloro(neopentyl)platin(II)-Komplexes mit chiralem cyclo-C5H8(PPh2)2-Steuerliganden (Bild: FAU)

Prof. Dr. Jochen Ellermann († 10.08.2014)

Institut für Anorganische Chemie

Prof. Dr. Jochen Ellermann ist am 10.08.2014 im Alter von 80 Jahren verstorben. Herr Prof. Ellermann war von 1963 bis 1999 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg am Institut für Anorganische Chemie tätig.

Jochen Ellermann wurde 1963 an der Technischen Hochschule München (heute: Technische Universität München) bei Prof. Walter Hieber promoviert. Im gleichen Jahr wechselte er an die Friedrich-Alexander-Universität, an der er 1969 mit einer Arbeit über „Neuartige, vierzähnige Komplexliganden und ihre Verwendung zur Darstellung spiroheterocyclischer Metall- und Nichtmetallkomplexe“ habilitierte. Er wurde akademischer Oberrat und 1972 zum Abteilungsvorsteher am Institut für Anorganische Chemie für die neu eingerichtete Abteilung „Molekül- und Komplexchemie“ ernannt. 1973 erhielt er das Karl-Winnacker-Stipendium der Hoechst AG. Nach der Ablehnung eines Rufs auf eine Professur im Fachbereich Chemie der Universität Marburg wurde Herr Ellermann zuerst außerplanmäßiger Professor, 1978 dann Extraordinarius am Institut für Anorganische Chemie. Von 1980 bis 1982 war er Prodekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät II.

Prof. Dr. Jochen Ellermann prägte in den 60er bis 80er Jahren entscheidend die Lehre und chemische Ausbildung an der Universität Erlangen-Nürnberg. Sein besonderes Augenmerk galt der chemischen Grundausbildung sowie der Ausbildung der Lehramtsstudierenden und der Medizinstudierenden. Zudem engagierte er sich sehr für die Planung und den Bau des damaligen Neubaus des Instituts für Anorganischen Chemie an der Egerlandstraße 1.

In der Forschung widmete sich Professor Ellermann insbesondere der Übergangsmetall-Komplexchemie und publizierte unter dem Serientitel „Chemie polyfunktioneller Liganden“ über das komplexchemische Verhalten von mehrzähnigen Chelatliganden, Käfigstrukturen und zuletzt über Metallaphosphazene. Seine herausragende Expertise in der Schwingungsspektroskopie war bei der Charakterisierung der komplizierten Strukturen außerordentlich nützlich. Die Ergebnisse seiner spektroskopischen Untersuchungen fanden im In- und Ausland große Beachtung.

Über 180 Publikationen in renommierten Fachzeitschriften sind Beleg der wissenschaftlichen Produktivität von Professor Ellermann. Als Hochschullehrer gab er sein Spezialwissen mit Begeisterung sowie ausgeprägtem didaktischen Geschick an die Studierenden des Studienganges Chemie-Diplom weiter. Ebenso erfolgreich wie wertvoll waren seine Lehrveranstaltungen in Quantitativer Analyse, Präparativer Chemie, Chemie der Silicate, Strukturprinzipien sowie Elektronenspektroskopie.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Hummel († 18.08.2017)

Lehrstuhl für Anorganische und Analytische Chemie

Apl. Prof. Dr. Hans-Ulrich Hummel ist am 18.08.2017 im Alter von 63 Jahren verstorben. Professor Hummel war langjähriger Gastdozent in der Anorganischen Chemie an der FAU.

Hans-Ulrich Hummel studierte und promovierte an der FAU in Chemie. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt am University College in Cardiff kehrte er nach Erlangen zurück und habilitierte 1989 am Lehrstuhl für Anorganische und Analytische Chemie zum Thema „Untersuchungen zur Elektronenverteilung, Struktur und Reaktivität von Verbindungen mit 1,1- und 1,2-Dithiolaten mit einer Anmerkung zur Charakterisierung der Hydratwasserkoordination durch die ESCA-Spektroskopie“.

Anschließend war er bei Siemens im Bereich der Festkörperchemie und neuen Keramiken tätig. 1992 wechselte Prof. Hans-Ulrich Hummel zur Knauf Gips KG nach Iphofen und wurde dort zuerst Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und übernahm später weitere Aufgaben im Bereich des Managements. Parallel dazu lehrte er weiterhin an der FAU in der Anorganischen Chemie und wurde 1995 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Prof. Dr. Horst Kisch

Vita

1942Born in Bistritz/Transsylvania
1960 – 1969Chemistry education at the University of Vienna
1968 – 1969Ph.D. dissertation at the Max-Planck-Institut für Strahlenchemie, Mülheim a.d.Ruhr
1969Ph.D. degree at the University of Vienna
1970 – 1984Scientific coworker at the Max-Planck-Institut für Strahlenchemie
1972Post doctoral fellow of the Max-Kade-Foundation at the University of California at San Diego, La Jolla
1977Habilitation for Organic Chemistry at the University of Dortmund
1983Research visit (4 months) at the Institute of Physical and Chemical Research (RIKEN), Wako-shi, Japan
1984Professor of Inorganic Chemistry at the University of Erlangen-Nürnberg
1989Guest professor at the Tokyo University (Japan. Soc. for the Promotion of Science)
1990 – 1993Chairman of the photochemistry group of the German Chemical Society
1991Visiting professor at the University of Ferrara
Guest professor at the RIKEN, Wako-shi, Japan (3 months)
2001Guest professor at the California Institute of Technology, Pasadena (2 months)
2007Guest professor at the University of Otago, Dunedin, New Zealand (February – April)
2008Retirement
2019Golden Doctoral Certificate of the University of Vienna
2023Honorary doctorate from the Jagiellonian University in Krakow

Publikationen

2023

  • Bahnemann D., Robertson P., Wang C., Choi W., Daly H., Danish M., de Lasa H., Escobedo S., Hardacre C., Jeon TH., Kim B., Kisch H., Li W., Long M., Muneer M., Skillen N., Zhang J.:
    2023 roadmap on photocatalytic water splitting
    In: JPhys Energy 5 (2023), Art.Nr.: 012004
    ISSN: 2515-7655
    DOI: 10.1088/2515-7655/aca9fd
  • Kisch H.:
    Visible-Light Photocatalysis by Two-Center Surface Coordination Complexes with Titania as Ligand
    wiley, 2023
    ISBN: 9783527690688
    DOI: 10.1002/9783527690688.ch13

2020

  • Kisch H.:
    In the Light and in the Dark: Photocatalytic Fixation of Nitrogen into Ammonia and Nitrate at Iron Titanate Semiconductor Thin Films
    In: European Journal of Inorganic Chemistry (2020)
    ISSN: 1434-1948
    DOI: 10.1002/ejic.201901099

2019

  • Kisch H., Macyk W., Linnik O.:
    Special Issue: Application of Surface Photochemical Processes in Environmental Purification, Photochemical Synthesis, Biomedicine Preface
    In: Research on Chemical Intermediates 45 (2019), S. 3969-3971
    ISSN: 0922-6168
    DOI: 10.1007/s11164-019-03883-4

2012

  • Aldemir M., Heinemann FW., Kisch H.:
    Photochemical synthesis of N-adamantylhomoallylamines through addition of cyclic olefins to imines catalyzed by alumina grafted cadmium sulfide.
    In: Photochemical & Photobiological Sciences 11 (2012), S. 908-913
    ISSN: 1474-905X
    DOI: 10.1039/c1pp05298e

2003

  • Sellmann D., Kisch H., Hille A., Rösler A., Heinemann FW., Moll M., Brehm G., Reiher M., Heß BA., Bauer W.:
    Binding N_2_, N_2_H_2_, N_2_H_4_ and NH_3_ to Transition Metal Sulfur Sites: Modeling Potential Intermediates of Biological N_2_ Fixation
    In: Chemistry - A European Journal (2003), S. ?
    ISSN: 0947-6539

2002

  • Kisch H., Hopfner M., Weiß H., Heinemann FW.:
    Semiconductor photocatalysis type B: synthesis of unsaturated alpha-amino esters from imines and olefins photocatalyzed by silica-supported cadmium sulfide.
    In: Photochemical & Photobiological Sciences 1 (2002), S. 696-703
    ISSN: 1474-905X
  • Kisch H., Nowicka B., Schmauch G., Chihara T., Heinemann FW., Hagiwara M., Wakatsuki Y.:
    Ion Pairs between Maleonitriledithiolato Complex Dianions of Cobalt and Nickel and Macrocyclic Ligand Complex Dications of Nickel(II) - Control of Intrapair Interaction through Ligand Modification
    In: Bulletin of the Chemical Society of Japan 75 (2002), S. 2169-2175
    ISSN: 0009-2673
    DOI: 10.1246/bcsj.75.2169

1999

  • Kisch H., Handrosch C., Dinnebier RE., Bondarenko G., Bothe E., Heinemann FW.:
    Charge-Transfer Complexes of Metal Dithiolenes XXVI. - Azobipyridinium Dications and Radical Monocations as Acceptors
    In: European Journal of Inorganic Chemistry (1999), S. 1259-1269
    ISSN: 1434-1948
  • Kisch H., Handrosch C., Heinemann FW.:
    rac-5,5'-(2-Acetoxypropyl)furoil
    In: Acta crystallographica. Section C, Crystal structure communications C55 (1999), S. 2184-2186
    ISSN: 1600-5759
  • Kisch H., Handrosch C., Heinemann FW.:
    Serendipitous Formation of the Cyclic Sulfite DIMTH(SO_3_) by Reaction of DIMTH(OH)_2_ with SOCl_2_
    In: Zeitschrift für Naturforschung Section B-A Journal of Chemical Sciences 54b (1999), S. 1015-1018
    ISSN: 0932-0776
  • Horner G, Johne P, Kunneth R, Twardzik G, Roth H, Clark T, Kisch H:
    Heterogeneous photocatalysis, part XIX - Semiconductor type A photocatalysis: Role of substrate adsorption and the nature of photoreactive surface sites in zinc sulfide catalyzed C-C coupling reactions
    In: Chemistry - A European Journal 5 (1999), S. 208-217
    ISSN: 0947-6539
    DOI: 10.1002/(SICI)1521-3765(19990104)5:13.0.CO;2-0

1998

  • Huang LY., Aulwurm U., Heinemann FW., Knock F., Kisch H.:
    Weak M-H center dot center dot center dot H-C and M-Cl center dot center dot center dot H-C interactions in orthometalated iridium and rhodium complexes
    In: Chemistry - A European Journal 4 (1998), S. 1641-1646
    ISSN: 0947-6539

Forschung

Our research is focused on semiconductor photocatalysis for the chemical conversion and utilization of solar energy. This interdisciplinary field contains basic aspects of photochemistry, electrochemistry and heterogeneous catalysis. By analogy with the photosynthesis of green plants, the efficiency of such reactions is determined by three elementary steps; light-induced charge generation, followed by charge-separation and interfacial electron transfer from and to adsorbed substrates. This is schematically depicted in the following figure for the CdS catalyzed photoaddition of imines to olefins/enol ethers which opens an easy access to hitherto unknown unsaturated amines.

Research Prof. Kisch
Research Prof. Kisch

In this novel reaction type (semiconductor photocatalysis type B) the primary electron transfer products recombine to one unique final product („paired photoelectrolysis“) while two final products are obtained in almost all other semiconductor photocatalyzed reactions (type A), in complete analogy with a conventional electrochemical reaction. According to the mechanism proposed, the semiconductor powder catalyzes the linear addition reaction through a double electron exchange mechanism.
Selected Publications [1-3]

Further projects are:

  • Development of commerically available titania-hybrid and other semiconductor photocatalysts for visible light detoxification of water and air
  • Nitrogen Photofixation: Photofixation of nitrogen at nanostructured films
  • Metal OxideDevelopment of a simple metal oxide catalyst for the oxidation of carbon monoxide at room temperature in the presence of humid air
  • Catalytic Activation: Previous work dealt with catalytic activation of 1,2-diazenes and electrical conductivity of viologen-dithiolene charge-transfer complexes

Prof. Dr. Dieter Sellmann († 06.05.2003)

Lehrstuhl für Anorganische und Allgemeine Chemie

Prof. Dr. Dieter Sellmann ist am 06.05.2003 im Alter von 62 Jahren verstorben. Seit 1980 hatte er den Lehrstuhl für Anorganische und Allgemeine Chemie der FAU inne. Prof. Sellmann war Sprecher und Initiator des im Jahr 2001 eingerichteten Sonderforschungsbereichs 583 “Redoxaktive Metallkomplexe – Reaktivitätssteuerung durch molekulare Architekturen”, dem ersten Sonderforschungsbereich der Erlanger Chemie. Prof. Sellmann war aktiv in der akademischen Selbstverwaltung tätig u.a. als Dekan, Mitglied der Hochschulplanungskommission und Fachgruppensprecher. Einen attraktiven Ruf an die Universität Heidelberg hat er abgelehnt.

Dieter Sellmann, geboren am 12. Februar 1941 in Berlin, studierte Chemie an den Universitäten Tübingen und München und promovierte 1967 in München. In den Jahren 1967 und 1968 war er Research Associate an der Princeton University, USA. Anschließend arbeitete er bis 1976 an der Technischen Universität München, zunächst als wissenschaftlicher Assistent, dann als Privatdozent, Universitätsdozent und wissenschaftlicher Rat. Von 1976 bis 1980 war er als Professor für Allgemeine, Anorganische und Analytische Chemie an der Universität Paderborn tätig. 1980 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Anorganische und Allgemeine Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg.

Sein wissenschaftliches Interesse galt insbesondere der Stickstoff-Fixierung sowie der Chemie der Metalle, der Katalyse, der Stickstoff- und Wasserstoffchemie. Er befasste sich mit Nitrogenase Modellverbindungen , biomimetischen Reaktionen, Spurenanalytik, Strukturaufklärung und spektroskopischen Methoden. Er war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der American Chemistry Society und der Royal Society of Chemistry. 1975 wurde er mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker ausgezeichnet.

Prof. Dr. Rudi van Eldik

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. em. Rudi van Eldik

Forschungsschwerpunkte

Aktivierung kleiner Moleküle

Prof. Dr. Rudi van Eldik (Foto: Gerd Grimm, FAU)
Prof. Dr. Rudi van Eldik (Foto: Gerd Grimm, FAU)

Ein Forschungsschwerpunkt liegt in der mechanistischen Aufklärung von chemischen Reaktionen an Metallzentren in Übergangsmetallkomplexen. Das Interesse gilt der Aktivierung von kleinen Molekülen, wie etwa Sauerstoff, Kohlendioxid oder Stickoxid, durch katalytische Einwirkung der Metallkomplexe, wie sie auch in der Natur erfolgt. Dabei steht die biologische Wirkung und das umweltrelevante Verhalten dieser Moleküle im Mittelpunkt. Ziel ist es, durch die Aufklärung des mechanistischen Ablaufs der katalytischen Prozesse, diese für umweltverbessernde Maßnahmen gezielt steuern und modifizieren zu können.

Ionische Flüssigkeiten

Ionische Flüssigkeiten sind Salze, die bei Raumtemperatur als Flüssigkeit vorliegen und außerordentliche Eigenschaften als Lösungsmittel zeigen. Aufgrund ihrer möglichen industriellen Anwendung stieg das Forschungsinteresse an Ionischen Flüssigkeiten in den letzten Jahren daher stark an. Doch noch immer gibt es hier grundlegenden Forschungsbedarf: Verhalten sich Ionische Flüssigkeiten tatsächlich wie ‚normale’ Lösungsmittel, oder gibt es hier bisher unbekannte Eigenschaften, die das Verhalten chemischer Reaktionen beeinflussen? Dieser Frage geht van Eldik und sein Chemiker-Team im Forschungsschwerpunkt über anorganische Reaktionsmechanismen in Ionischen Flüssigkeiten nach.

Platinkomplexe als Antitumormedikamente

Ein weiterer Themenkomplex sind reaktionsmechanistische Untersuchungen an biorelevanten Pt(II)-Komplexen. Die Erlanger Chemiker orientieren sich hierbei am so genannten Cisplatin, einer Platin-Komplexverbindung, die seit langem erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt wird. Durch gezielte Variationen dieser Grundstruktur und der Untersuchung des veränderten chemischen Verhaltens, erschließt man Möglichkeiten, die Reaktivität solcher Verbindungen, die potentiell Antitumorwirkung zeigen, gezielt zu steuern.

Umweltgerechtes Recycling

Die Entwicklung analytischer Methoden zur Online-Verfolgung von potentiell toxikologisch gefährdenden Substanzen bildet einen weiteren Schwerpunkt des Lehrstuhls. So werden neue, umweltgerechte Recycling-verfahren für Elektronikschrott und Handys entwickelt und nach biologisch vertretbaren Entsorgungsmethoden für Kunststoffe, die mit bromhaltigen Flammschutzmitteln belastet sind, geforscht.

Prof. Dr. Ulrich Zenneck

Forschungsschwerpunkt

Von hochreaktiven Organophosphorverbindungen zu chiralen P-C-Käfigverbindungen und von Metalldämpfen zu Nanopartikeln und dünnen Schichten

Bild: Zenneck
Bild: Zenneck

Wir beschäftigern uns mit dem Design, der enantioselektiven Darstellung und der Komplexchemie asymmetrischer Pn(CR)m-Käfigverbindungen, deren chiroptische Eigenschaften vom Käfig erzeugt werden. (Käfigchiralität) Anwendungsstudien zielen auf den Einsatz der Käfige als Steuerliganden in der enantioselektiven Katalyse und zur Darstellung von optisch aktiven Materialien.

Maßgeschneiderte Precursorkomplexe für die chemische Gasphasenabscheidung von Metallen führen zu metallischen Nanopartikeln (NP) und dünnen Metall-, Metalloxid- und Metallcarbidschichten. NP und dünne Schichten dienen als funktionelle Elemente komplexer Verbundmaterialien und von integrierten Schaltungen, als heterogene Katalysatoren und zum Schutz hoch belasteter Oberflächen. Eine Spezialität der Arbeitsgruppe sind effiziente Metalldampfsynthesen von Aromaten- und Olefin-Übergangsmetallkomplexen, die besonders günstige Eigenschaften für ihre Verwendung als Precursorkomplexe aufweisen.

Elektronentransferreaktionen einschließlich ihrer oft kurzlebigen paramagnetischen Intermediate interessieren als elementare chemische Prozesse. Einige Beispiele konnten wir mittels in situ-ESR-Spektroskopie auf einer Elektrodenoberfläche aufklären.

Prof. Dr. Andreas Kometz († 11.10.2018)

Professur für Didaktik der Chemie

Portrait von Prof. Dr. Andreas Kometz
Prof. Dr. Andreas Kometz (Foto: Erich Malter/FAU)

Prof. Dr. Andreas Kometz ist am 11.10.2018 im Alter von 60 Jahren verstorben. Seit 2005 war Herr Kometz Professor für Didaktik der Chemie und für die Ausbildung der Lehramtsstudiengänge an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zuständig.

Andreas Kometz studierte Chemie und Mathematik für das Lehramt am Gymnasium. Nach seiner Lehrtätigkeit in Hoyerswerda nahm er 1989 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg (MLU) an. Ab 1993 war Herr Kometz zudem Mitglied des Landesprüfungsamtes für Lehrämter in Sachsen. 1996 promovierte er zum Thema „Zum Einsatz unterstützender Unterrichtsmedien bei Nutzung der Küvettentechnik in Kombination mit Halbmikrotechnik-Gerätesystemen im Chemieunterricht“.

Bis 2002 blieb er der MLU treu, zeitgleich war er unter anderem in der Abiturkommission Chemie des Landes Sachsen-Anhalts sowie als wissenschaftlicher Beirat der Zeitschriften „Chemie in der Schule“ und „Praxis der Naturwissenschaften – Chemie in der Schule“ tätig. Von 2002 – 2005 arbeitete Herr Kometz an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, bevor er 2005 den Ruf auf die Professur für Didaktik der Chemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) annahm.

An der FAU war er unter anderem Mitglied des Zentralinstituts für Lehr- und Lernforschung, Beirat des Universitätsbundes sowie Leiter des Chemielehrer-Fortbildungszentrums und des Schülerlabors NESSI-Lab. Er unterrichtete Studierende der Lehramtsstudiengänge für Gymnasien sowie Grund-, Mittel- und Realschulen.

Prof. Dr. Walter Bauer († 11.09.2023)

Prof. Dr. Walter Bauer
Prof. Dr. Walter Bauer (Foto: privat)

Das Department Chemie und Pharmazie trauert um Herrn Prof. Dr. Walter Bauer, der am 11.09.2023 im Alter von 70 Jahren verstorben ist.

Prof. Bauer war bis zu seiner Pensionierung zum 01.04.2017 als Akademischer Direktor in der Organischen Chemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg am Department Chemie und Pharmazie tätig.

Prof. Bauer wurde 1953 in Bamberg geboren. Er studierte bis 1979 Chemie und Biologie an der Universität Regensburg (Staatsexamen Biologie und Chemie Lehramt). Während seiner Promotionsarbeit beschäftigte er sich intensiv mit sogenannten Lithiumorganylen. Diese Verbindungen werden mannigfaltig in der chemischen Synthese eingesetzt und besitzen verblüffende Struktureigenschaften. In Verbindung mit der Kernresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) lassen sich, unter Einsatz moderner Messmethoden, diese Strukturen aufklären. Auf diese Weise gelangt man zum detaillierten Mechanismus der Reaktionen dieser Verbindungen. 1982 promovierte er bei Prof. Dr. Jörg Daub über „Lithium-Enolat-Heptafulvene. Struktur, Reduktion, oxidative Dimerisierung und Aldoladdition “.

Es folgte ein Postdoc-Jahr an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich bei Prof. Seebach, wo er neue Methoden der Strukturaufklärung von Alkalimetall-Organylen studieren konnte.

Der sich anschließende Wechsel an die Universität Erlangen-Nürnberg zu Prof. Schleyer war seinem Forschungsschwerpunkt und nicht zuletzt auch der Nähe zu seiner Heimatstadt Bamberg und seiner dort ansässigen Band geschuldet, in der er bis zuletzt als brillanter, leidenschaftlicher und vielseitiger Musiker (u.a. Keyboard, Schlagzeug, Gitarre) spielte. Die Universität Erlangen-Nürnberg bot aufgrund der vorhandenen Forschungsausrüstung, ideale Möglichkeiten, mittels NMR-Spektroskopie die Forschungen weiter zu betreiben. Prof. Bauer entwickelte neue Methoden wie z.B. die Möglichkeit, räumliche intermolekulare Abstandsmessungen von Lithiumatomen zu anderen Kernen vorzunehmen. Seine Forschungsinteressen dehnten sich rasch auf das gesamte Periodensystem der Elemente aus und „Heterokerne“ bildeten ein Hauptforschungsgebiet. Hier wiederum ist es essentiell, mit anderen Forschergruppen zu kooperieren, was Prof. Bauer intensiv betrieb.

1994 erfolgte die Habilitation zum Thema “NMR of Quadrupolar Nuclei in Alkali Metal Organic Compounds. Application of Heteronuclear Overhauser Effect Spectroscopy (HOESY)“ und führte 1995 zur Verleihung der Venia legendi und der Ernennung zum Privatdozenten im Bereich Organische Chemie. Seit 2006 bis zu seiner Pensionierung war Prof. Bauer als Akademischer Direktor am Department Chemie und Pharmazie in Forschung und Lehre tätig, insbesondere als Leiter der NMR-Spektroskopieabteilung.

Prof. Bauer ist Autor bzw. Co-Autor von über 130 Veröffentlichungen. Die Kombination von NMR-Spektroskopie und Musik war seine „Hobbydisziplin“ die er liebte und der er mit Leidenschaft nachging und in dieser Form vermutlich weltweit ohne Konkurrenz nachging.

Mit „Waldi“ Bauer haben wir einen hochmotivierten, kompetenten und hochgeschätzten Wissenschaftler verloren, vor allem aber einen offenherzigen, liebenswerten und stets hilfsbereiten Menschen und guten Freund.

Prof. Dr. Hans-Juergen Bestmann (†18.06.2005)

Lehrstuhl für Organische Chemie II

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Bestmann ist am 18.06.2005 im Alter von 79 Jahren verstorben. Bestmann besetzte von 1964 bis 1995 den Lehrstuhl für Organische Chemie II und prägte so die Entwicklung der Chemie in Erlangen entscheidend mit. Insbesondere bei der fächerübergreifenden Kooperation zwischen Chemikern und Biologen leistete er Pionierarbeit. Außerdem trug er wesentlich zur Pflege der deutsch-französischen Kontakte mit den Chemikern der Partneruniversität Rennes bei.

Professor Bestmann wurde 1925 in Hamwarde, Kreis Lauenburg, als Pastorensohn geboren. Nach dem Abitur studierte er in Kiel und Tübingen Chemie. 1956 folgte die Promotion an der Technischen Universität Berlin, 1961 die Habilitation an der Technischen Universität München. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Karl-Winnacker-Stipendium ausgezeichnet. 1964 wurde er von der Universität Erlangen-Nürnberg auf den Lehrstuhl für Organische Chemie II berufen. Nach seiner Emeritierung 1993 leitete Bestmann den Lehrstuhl bis zu dessen Wiederbesetzung durch Prof. Dr. Andreas Hirsch im Oktober 1995.

Zu den wichtigsten seiner breitgefächerten wissenschaftlichen Arbeiten zählen die Entwicklung neuer Synthesemethoden auf der Basis von phosphororganischen Reagentien und die richtungsweisenden interdisziplinären Untersuchungen zu Insektenlockstoffen (Pheromonen), die sich mit der chemischen Kommunikation in der Natur befassen und die Grundlagen einer modernen biologischen Schädlingsbekämpfung darstellen.

In Anerkennung seiner Leistungen in Forschung und Lehre wurde Professor Bestmann mit einer großen Zahl nationaler und internationaler Preise und Ehrungen ausgezeichnet. So erhielt er unter anderem die Ehrendoktorwürde der Katholischen Universität Löwen (Belgien) sowie den Philip-Morris-Forschungspreis 1994. Im Lauf seiner akademischen Karriere hat Bestmann mehr als 500 wissenschaftliche Beiträge publiziert. Über 200 Doktorarbeiten entstanden unter seiner Anleitung. Auch im Ruhestand war er noch in der Forschung aktiv und nahm regen Anteil am Institutsleben, getreu seinem Leitmotiv: „Ein Naturwissenschaftler darf das Wundern nicht verlernen“.

Prof. Dr. Johann Gasteiger

Forschungsschwerpunkte

Reaction Prediction

Prediction of the course of an organic reaction and its products for given starting materials.

Synthesis Design

In combinatorial chemistry, hundreds of thousands of reactions are run in parallel, on beads, or simultaneously in solution. A careful planning of these reactions is therefore of paramount importance.

Drug Design

Drug design is a very large scale and expensive process. A series of programs and methods have been developed to assist with a variety of problems to be faced in drug design.

Interpretation and Simulation of Mass Spectra

With FRANZ the occurece of fragmentations and rearrangements in the mass spectrometer can be automatically derived. With this a knowledge base of mass spectroscopic processes can be built.

Acquisition of Knowledge on Reactions

Reaction databases provide a rich source of information on organic reactions. A combination of a Bayes classifier with a self-organizing neural network is used to group individual reactions into reaction types.

Infrared and Raman Spectroscopy

The aim of the TeleSpec project was to provide an information pool for infrared spectroscopy, and to present sophisticated techniques for the analysis of infrared spectra.

Information Visualization

We present an applet that allows an interactive and graphical data mining and visualization of large-scale multi-dimensional datasets.

Prof. Dr. Kurt Geibel († 22.05.2013)

Lehrstuhl für Organische Chemie

Kurt Geibel wurde am 26. Januar 1931 in Stuttgart-Bad Cannstatt geboren, studierte Chemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, legte 1961 sein Diplomchemiker-Zeugnis ab und wurde 1963 zum Dr. rer. nat. promoviert. In den folgenden Jahren war er als Wissenschaftlicher Assistent an der Organischen Chemie tätig. In diese Zeit fiel der Aufbau und die Einrichtung der Magnetischen Kernspinresonanz (NMR) an der Universität. 1970 folgte seine Habilitation. 1978 wurde er zum Extraordinarius berufen.

Prof. Geibel war von 1981 bis 1983 Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät II (Biologie und Chemie), von 1986 bis 1990 Vizepräsident, von 1990 bis 1992 Prorektor der Universität Erlangen-Nürnberg. In dieser Zeit wurde das erste Graduiertenkolleg errichtet sowie an der Universität Erlangen-Nürnberg als erste Deutsche Hochschule eine Stelle für Europäische Forschungsprogramme geschaffen. In Prof. Geibels Zeit fällt zudem die Schaffung einer Stelle für eine Frauenbeauftragte und die Einrichtung des Seniorenstudiums.

1994 wurde ihm durch Bundespräsidenten Richard v. Weitzäcker das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine Verdienste um Forschung und Lehre in den Bereichen Biologie und Chemie, für den Einsatz in der akademischen Selbstverwaltung und das Engagement auf sozialem und kulturellem Gebiet verliehen. Als Vorsitzender hat Prof. Geibel zehn Jahre lang dem Förderverein Theater Erlangen vorgestanden.

Von Prof. Geibel wurden 76 Diplom-, Doktor- und Staatsexamensarbeiten betreut. In der Forschung beschäftigte er sich mit Überbrückten Polycyclischen Systemen, der Entwicklung und Charakterisierung von Polymerwerkstoffen für den Einsatz in der Elektronik und Mikroelektronik, auf medizinisch-chemischem Gebiet mit Instituten der Medizinischen Fakultät (Arbeitsmedizin und Toxikologie).

Prof. Dr. Hans Hofmann (†)

Emeritus der Organischen Chemie

Prof. Dr. Rolf W. Saalfrank

Curriculum Vitae

Prof. Dr. Rolf W. Saalfrank studierte Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg und promovierte 1970 in Organischer Chemie an der FAU Erlangen. Nach einjähriger Postdoktorandentätigkeit an der Michigan State University, East Lansing, USA, wechselte er an das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg und kehrte anschließend an die FAU Erlangen zurück.

1976 Habilitation mit dem Thema: „Push-Pull-substituierte Allene“

1978 Ernennung zum apl. Professor

1997 – 2009 Professor (C3) für Organische Chemie

Er war Gastprofessor an der Universität Rennes, Lehrstuhlvertreter an der LMU München und Overseas Scholar, St. John’s College, University Cambridge, UK.

Prof. Paul von Ragué Schleyer († 21.11.2014)

Nachruf

Das Department Chemie und Pharmazie trauert um Prof. Paul von Ragué Schleyer, der am 21. November 2014 im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Prof. Schleyer war bis 1998 Inhaber des Lehrstuhls für Organische Chemie I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und Gründungsmitglied des Computer-Chemie-Centrums. Er galt als einer der Wegbereiter in der Computer-Chemie.

Prof. Paul von Ragué Schleyer wurde 1930 in Cleveland, Ohio, USA geboren. Er studierte Chemie an der Princeton University, wo er 1951 sein Bachelor of Arts (magna cum laude) erhielt. Anschließend promovierte er bei Prof. P. D. Bartlett in Harvard (1957). Er wurde Higgins Professor der Chemie an der Princeton University, bis er 1975 den Ruf auf den Lehrstuhl I für Organische Chemie an der Friedrich-Alexander-Universität annahm. Nach seiner Emeritierung wurde er als Graham Perdue Professor of Chemistry an die University of Georgia, Athens, Georgia, USA berufen.

Paul Schleyer belegte 1997 Platz drei der veröffentlichten Liste der meistzitierten Chemiker der Welt. Er veröffentlichte mehr als 1.200 wissenschaftliche Artikel sowie zwölf Monografien. Auf den Gebieten der Karbokation-Chemie und der Lithium-Chemie leistete er grundlegende Beiträge. Während seiner 22 Jahre in Erlangen hat Prof. Schleyer maßgeblich zur Entwicklung der Computer-Chemie beigetragen. Er war ein Vorreiter in der Anwendung von theoretischen Methoden zur Lösung chemischer Probleme. Seine Zusammenarbeit mit Prof. John Pople (Nobelpreis für Chemie 1998) führte zu zahlreichen gemeinsamen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die dadurch geprägt waren, dass die von Pople entwickelten theoretischen Methoden von Schleyer zur Lösung aktueller chemischer Probleme herangezogen wurden. Heute zählen solche Computer-Methoden zu den alltäglichen Forschungswerkzeugen in der organischen und anorganischen Chemie, in der Biochemie und vor allem in der pharmazeutischen Industrie.

Schleyers Interesse an der Computer-Chemie kulminierte 1993 in der Gründung des Computer-Chemie-Centrums (CCC) an der FAU, das er bis zu seiner Emeritierung leitete.

Paul Schleyer erhielt Ehrendoktorwürden der Université de Lyon (Frankreich), der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Marburg. Er war Honorarprofessor an der Nationalen Technischen Universität der Ukraine (Kiew) sowie Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, u.a. mit dem Adolf-von-Baeyer-Preis, dem James Flack Norris Award in Physikalischer Chemie, der Heisenberg-Medaille und dem Bundesverdienstkreuz am Bande.

Prof. Dr. Robert Weiß

Forschungsschwerpunkt

Hypervalente Organoiod-(I)-chemie

Dieses Forschungsprojekt befaßt sich mit der systematischen Entwicklung der hypervalenten Koordinationschemie organischer Iod-I-verbindungen auf der molekularen bzw. (bei Poly-iodverbindungen) auf der supramolekularen Ebene. Iodbrücken werden als „weiches“ Gegenstück zu H-Brücken konzipiert.

Prof. Johannes Paul Achenbach († 29.10.2019)

Nachruf

Das Department Chemie und Pharmazie gedenkt Prof. em. Dr. Johannes Paul Achenbach, der am 29. Oktober 2019 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Prof. Achenbach war bis 1996 Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Chemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof. Dr. Johannes Paul Achenbach wurde 1931 in Wiesbaden geboren, wo er 1951 das Abitur ablegte. Der Sohn eines Apothekers studierte von 1954 – 1960 Pharmazie und Chemie an der Universität Frankfurt am Main und der Universität Freiburg im Breisgau. Seine experimentelle Diplomarbeit schrieb er über „Die Biogenese des Erythromycins“. Anschließend promovierte er in Freiburg über „Die Biogenese des Magnamycins“ bei Prof. Grisebach und forschte dort als Postdoktorand. Ein Forschungsaufenthalt führte ihn 1964 – 1965 an das Massachussetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA.  1967 habilitierte er in Freiburg und  war dort als Professor tätig.

1981 erhielt Johannes Paul Achenbach den Ruf auf den Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, den er bis zu seiner Emeritierung am 1. Oktober 1996 innehatte.

Prof. Achenbach forschte über neue bioaktive Naturstoffe, ihre Isolierung und chemische Strukturermittlung aus Mikroorganismen und Pflanzen. Zudem interessierte er sich für Inhaltsstoffe tropischer Arzneipflanzen und für die Synthese bioaktiver Naturstoffe und untersuchte ihre Struktur und Wirkung.

Prof. Geoffrey Lee PhD († 25.11.2020)

Nachruf

Portrait Prof. Geoffrey Lee PhD
Foto: FAU / Gerd Grimm

Das Department Chemie und Pharmazie trauert um Prof. Geoffrey Lee PhD, der am 25. November 2020 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist. Prof. Lee war seit 1993 Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Technologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Prof. Lee studierte Pharmazie an der London University, UK, an der er 1980 auch promovierte. Anschließend führten ihn Forschungsaufenthalte für zwei Jahre an die University of Southern California, USA, und weitere zwei Jahre an die University of North Carolina, Chapel Hill, USA. Als Humboldt-Stipendiat baute er seine wissenschaftliche Karriere in den darauffolgenden beiden Jahren an der Universität Regensburg aus. Sein Weg führte ihn danach zurück in die USA, wo er an der University of Illinois in Chicago als Assistant Professor forschte. 1986 kehrte er wieder nach Deutschland zurück und nahm eine C3-Professur an der Universität Heidelberg an, bevor er 1993 dem Ruf auf die C4-Professur für Pharmazeutische Technologie der FAU folgte, die er bis zu seinem Ruhestand im September 2020 innehatte.

Geoffrey Lees Forschung beschäftigte sich mit der Trocknung von Therapeutika und Diagnostika, wobei er insbesondere für seine weitreichende Expertise in der Sprüh- und Gefriertrocknung von Proteinen wissenschaftlich und auch von der Industrie international hochanerkannt war. Neben Kooperationen mit zahlreichen Unternehmen zur Anwendung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse, ging es ihm immer auch um die Weiterentwicklung der Grundlagenforschung. Besonders zu nennen sind hier das Trocknungsverhalten oder die Stabilität von Proteinen während der Trocknung an einem einzelnen, in der Schwebe gehaltenen Tropfen. Mit der Entwicklung von Pulvern zur Anwendung in nadellosen Injektionssystemen – etwa zur Impfung, machte er sich ebenso einen Namen wie mit gesteuerten transdermalen therapeutischen Systemen. In jüngerer Vergangenheit widmete er sich verstärkt der ultraschallgesteuerten Wirkstofffreisetzung aus Nanopartikeln.

Viele seiner Forschungsvorhaben wurden durch renommierte Drittmittelgeber, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert, und wurden in Kooperationen innerhalb der Universität, aber auch mit nationalen und internationalen Industriepartnern in interdisziplinären Netzwerken verwirklicht.

Zudem war Geoffrey Lee war über viele Jahre Associated Editor des European Journal of Pharmaceutics and Biopharmaceutics.

Herr Prof. Lee war im Department für Chemie und Pharmazie langjährig als Vorsitzender des Studienausschusses tätig und fungierte auch als Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Als Mentor für zahlreiche Doktorarbeiten und mehrere Habilitationen hat er erfolgreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler auf ihrem Weg in die berufliche und wissenschaftliche Karriere gefördert und begleitet. Im Kreis seiner Kolleginnen und Kollegen wurde er aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und Erfahrung sehr geschätzt. In persönliche Kontakten offenbarte Geoffrey Lee sich als freundlicher, zugewandter Gesprächspartner und immer auch als Gentleman der alten Schule.

Die Studierenden der Pharmazie an der FAU Erlangen trauern ebenfalls um ihren hochgeschätzten Dozenten Professor Lee. Seine Vorlesungen hielt er stets mit außerordentlichem Engagement und Enthusiasmus. Insbesondere aufgrund seiner aufgeschlossenen, herzlichen Art wurde er von allen Studierenden sehr geschätzt. Seine Leidenschaft, die nicht nur seinem Fachgebiet, sondern vor allem auch der Lehre galt, werden sie stets in dankbarer Erinnerung behalten.

Ein angenehmes Arbeitsklima war Herrn Lee wichtig, zahlreiche Weißwurstfrühstücke werden den Mitarbeitern genauso in Erinnerung bleiben, wie die gemeinsamen Weihnachtsessen. Seine Familie, die ihm viel bedeutete, verwöhnte er mit seinen Kochkünsten, vorzugsweise mit einem scharfen, indischen Curry. Prof. Lee hat den Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie mit seiner angenehmen, pragmatischen Art und sehr viel Menschlichkeit geführt, und den Lehrstuhl damit zu einem sehr lebenswerten Ort für seine Mitarbeiter, aber auch für die Studierenden gemacht. Er hinterlässt eine große Lücke am Lehrstuhl und eine unfassbare Trauer.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seiner Frau und seinen beiden Kindern, denen wir viel Kraft und Hoffnung in dieser Zeit wünschen.

Prof. Dr. Eberhard Nürnberg (†26. August 2016)

Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie

Prof. Dr. Reinhard Troschütz

Forschungsschwerpunkte

Motiviert und inspiriert durch biologisch wirksame Naturstoffe, beschäftigt sich die Arbeitsgruppe von Professor Troschütz auf synthetisch chemischem Gebiet mit der gezielten Untersuchung von Indol-Derivaten, die entweder mit einem oder mehreren aromatischen / heteroaromatischen 6-Ringsystemen versehen sind und eine Kombination von funktionalen Gruppen aufweisen, die zur Interaktion mit Zielstrukturen wie  Proteinen oder DNA  befähigt sind. Abgeleitet vom anti-tumorwirksamen und tetracyclischen Naturstoff Ellipticin, wurden beispielsweise tricyclische Analoga auf einem einfachen und eleganten Weg hergestellt.

Die gefundene Methodik kann als interessante Erweiterung der Nenitzescu-Indol-Synthese angesehen werden (B. Dotzauer et al. Synlett  2004, 1039). Die erhaltenen Verbindungen erwiesen sich in Tests gegenüber Krebszelllinien als hochwirksam mit einem Ellipticin analogen Mechanismus (B. Dotzauer et al.  Biorg. Med. Chem. 2006, 14, 7282). Auf dem Weg zu basisch substituierten Melatonin-Derivaten synthetisierten wir 2- Amino-5-hydroxyindol-3-carbonsäurester (J. Landwehr et al. Synthesis 2005, 2414), die sich als potente Hemmstoffe der 5-Lipoxygenase erwiesen und potentielle Mittel gegen Astma darstellen (J. Landwehr et al. J .Med. Chem. 2006, 49, 4327). 

Der beste Vertreter ist dem einzigen im US-Handel erhältlichen Mittel (Zileuton) in der Wirkung teilweise überlegen. Zur Zeit werden umfangreiche Strukturmodifikationen zur Verbesserung der Wirkung durchgeführt und die erfolgreich verlaufen . In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Gmeiner werden verschiedene aza-analoge Indole mit Phenylpiperazinylmethyl-Seitenkette hergestellt, die sich als interessante Dopamin D4 Rezeptorliganden erweisen und als potentielle Wirkstoffe gegen Schizophrenie von Interesse sind (A. Moll et al.  Biorg. Med. Chem. 2002, 10, 1671).

Prof. Dr. Hermann Froitzheim

Forschungsprojekte

Aufklärung des Mechanismus der Fischer-Tropsch Synthese mit Hilfe der hochauflösenden Elektronenergieverlustspektroskopie

Das Fischer-Tropsch-Verfahren ist sicherlich eines der prominentesten katalytischen Hydrierungsverfahren. Dennoch sind seine Reaktionsmechanismen sowohl phänomenologisch als auch auf mikroskopischer Skala trotz intensivster Bemühungen nicht eindeutig aufgeklärt, obwohl die Bedeutung des Verfahrens bis heute eine schier unübersehbare Zahl von Untersuchungen initiierte. Es werden folgende Mechanismen kontrovers diskutiert:

1. Das von Fischer und Tropsch selbst vorgeschlagene Modell mit assoziativer und dissoziativer Adsorption des Wasserstoffs sowie dissoziativer Adsorption von CO und anschließender Hydrierung des karbidisch am Substrat gebundenen Kohlenstoffs über eine Langmuir-Hinshelwood-Reaktion nach folgenden Schemata: M-C + H2 oder M-C + 2 H → M-CH2 → CH3. Parallel hierzu läuft die Wassergasreaktion nach M-O + H2 → M-H2O ab. Das Karbidisierungsmodell wurde etwas später von Craxfort und Rideal theoretisch untersucht und verfeinert.

2. Die von Anderson angenommene direkte Hydrierung des assoziativ adsorbierten CO nach M-CO + 2 H → HO-C-H → HO-C-C-H + H2O

3. Die von Pichler propagierte Einschubreaktion des CO in die Metall-Wasserstoffbindung.

Ziel des vorliegenden Projektes ist es durch den komplementären Einsatz von stationärer und zeitabhängiger Elektronenenergieverlustspektroskopie (TREELS) und Thermodesorptionsspektroskopie (TRTDS), die oben angegebenen Modelle zu überprüfen.

Entwicklung von Katalysatoren für Anoden der DMFC

In diesem Projekt sollen die Grundlagen für ein Katalysatorsystem erarbeitet werden, bei dem der Cokatalysator nur die Funktion der Wasserdissoziation übernimmt und zwar möglichst in Form einer direkten dissoziativen Adsorption. Es kommt also weniger auf die elektrochemische Aktivität des Kokatalysators an als auf dessen Wechselwirkung mit dem Wasser. In der „Direkten Methanol Brennstoffzelle“ (DMFC) treten bedingt durch die elektrochemische Kinetik erhebliche Verluste bei der Umwandlung der chemischen Energie zu elektrischer Energie auf. Die drei wesentlichen Verlustmechanismen sind:

1. Die Vergiftung des Anodenkatalysators durch das Intermediat CO bzw. COH

2. Die Mischpotenzialbildung an der Kathode (Methanol und Sauerstoff)

3. Verluste durch die schlechte elektrochemische Kinetik bei der Sauerstoffreduktion

Diese Verluste zusammen reduzieren den energetischen Wirkungsgrad der DMFC erheblich. Für eine wirtschaftliche Nutzung müssen diese Verluste deutlich verringert werden. Die Aktivitäten bei den Anodenkatalysatoren sind im Wesentlichen auf die Verbesserung des schon eingesetzten PtRu-Katalysators beschränkt. Während der elektrochemischen Methanoloxidation wird der Katalysator durch CO bzw. COH, das als Zwischenprodukt bei der Anodenreaktion auftritt, vergiftet. Das CO, das die Katalysatoroberfläche blockiert, muss zum CO2 aufoxidiert werden. Für diesen Reaktionsschritt muss der Sauerstoff aus der Dissoziation eines Wassermoleküls bereitgestellt werden. Für die Gesamtanodenreaktion (CH3OH + H2O → CO2 + 6 H+ + 6 e–) können die folgenden Einzelreaktionen angenommen werden:

CH3OH → COad + 4 Had → COad + 4 H+ + 4 e– bzw. CH3OH → COHad + 3 Had → COHad + 3 H+ + 3 e–
H2O → OHad + Had → OHad + H+ + e–
COad + OHad → CO2 + Had → CO2 + H+ + e–
COHad + OHad → CO2 + 2 Had → CO2 + 2 H+ + 2 e–

Es ist ein Hauptanliegen der Erlanger Gruppe, den Gültigkeitsbereich für diese Modelle zu bestimmen, insbesondere soll untersucht werden, ob wie bisher angenommen, die Wasserdissoziation der geschwindigkeits- bzw. potenzialbestimmende Schritt ist.

Untersuchungen der Adsorptionskinetik von Fe(CO)5 und CO auf Si(111) mit zeitabhängiger HREELS im Temperaturbereich 100-870 K

Unter den Siliziden der Übergangsmetalle sind diejenigen, deren Epitaxie auf Siliziumsubstraten möglich ist, von besonderem Interesse, da sie sich in die schon weitgehend optimierte Planartechnologie auf Siliziumbasis integrieren lassen. Unter den bekanntesten Vertretern dieser Verbindungen , wie Ni-, Co- und Platinsilizid, mit metallischem Charakter, nimmt die ß-FeSi2, als halbleitende Phase des Eisendisilizids, eine Sonderrolle mit einem für optoelektronische Anwendungen günstigen direkten Bandübergang von 0.89 eV ein. Die Zielvorgabe, ß-FeSi2-Schichten in möglichst hochwertiger Qualität herzustellen, erzeugt ein vitales Interesse am Verständnis der chemisch-physikalischen Grundlagen der etablierten Wachstumsmethoden dieses Silizids.

Im vorliegenden Projekt wurde hierfür die MOCVD mit Fe(CO)5 und Si(111)-Flächen als Substrat ausgewählt. Sie erscheint als technologisch günstigste und wirtschaftlichste Methode zur Herstellung solcher Schichten. Für ihre Optimierung sind allerdings noch detaillierte Untersuchungen der Primärschritte der dabei ablaufenden Reaktionen erforderlich.

Da es sich hierbei grundsätzlich um Ungleichgewichtsprozesse handelt, sind Kenntnisse über die Kinetik der Wechselwirkung von Fe(CO)5 und der Zerfallsprodukte CO, C und O mit den relevanten Substratflächen, nämlich reinem Silizium, auf Silizium aufgedampften Fe-Schichten und schließlich mit ß-FeSi2-Schichten im Temperaturbereich von 100 K bis zur Bildungstemperatur des ß-FeSi2 (~870 K) zwingend notwendig. Im Rahmen dieses Projekts sollen hierzu hauptsächlich die statische HREELS zur Untersuchung der stationären Adsorptionszustände, ihre zeitabhängige Variante TREELS zur Untersuchung der Reaktionsdynamik der verschiedenen Adsorptionssysteme sowie die Augerelektronenspektroskopie eingesetzt werden.

Prof. Dr. Hermann Göhr († 05.09.2008)

Zum Tod von Prof. Dr. Hermann Göhr

Prof. Dr. Hermann Göhr, von 1969 bis 1993 Professor am Institut für physikalische Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg, ist am Freitag, 5. September 2008, im Alter von 80 Jahren verstorben.

Hermann Göhr wurde am 17. Januar 1928 in Nürnberg geboren. Er studierte Physik an der Universität Erlangen-Nürnberg und promovierte 1957 in Physikalischer Chemie. Seitdem war er am Erlanger Institut für physikalische Chemie tätig, zunächst als Assistent, ab 1964 als Privatdozent, ab 1969 als außerplanmäßiger und ab 1970 als außerordentlicher Professor. 1993 trat er in den Ruhestand.

Prof. Göhrs Interesse galt vorwiegend der Elektrochemie, speziell Untersuchungen an elektrochemischen Doppelschichten sowie zur Korrosion und Passivität von Metallen und zur Bildung und Umwandlung von oxidischen Deckschichten auf Metallen. Er war Mitautor des Lehrbuchs „Thermodynamische Elektrochemie“ und hat weitere Lehrbücher übersetzt und bearbeitet.

Prof. Dr. Walther Jaenicke († 13.10.2010)

Nachruf

Walther Jaenicke wurde am 28. Februar 1921 in Berlin geboren als Sohn des Chemikers Johannes Jaenicke.

Er begann 1938 in Gießen mit dem Studium der Chemie und Physik, wechselte aber im WS 1939 nach Leipzig, wo er u.a. Vorlesungsassistent bei dem Chemiker H. Kautsky (Kautsky-Effekt) war. Er hörte Vorlesungen von F.Hund, die, wie er seinen Doktoranden oft erzählte, brilliant waren, ebenso wie die dazu gehörigen, ausgeklügelten Rechenübungen.

Obwohl sein Vater am so genannten Gold-Projekt beteiligt war (mit dem Fritz Haber aus Meerwasser soviel Gold gewinnen wollte, daß das junge republikanische Deutschland seine Reparationsschulden hätte bezahlen können) wurde Walther Jaenicke 1941 in Anwendung der berüchtigten „Nürnberger Gesetze“ vom Studium ausgeschlossen. Dass die folgenden Jahre nicht verloren waren, verdankte er vor allem Karl-Friedrich Bonhoeffer, der ihm die Möglichkeit zum Weiterarbeiten, ja sogar zur Anfertigung einer Dissertation bot und sich dabei selbst in große Gefahr begab.

Das „latente“ Weiterstudium ermöglichte es Walther Jaenicke bereits 1946 mit der Messung von elektrochemischen Potentialen und Stromdichten an Lokalelementen zu promovieren. Er verbrachte dann Assistentenjahre in Jena und an der Humboldt-Universität in Berlin (Ost) und folgte 1950 seinem Leipziger Mentor Bonhoeffer, der Direktor am „Max-Planck-Institut für Physikalische Chemie“ in Göttingen geworden war. Von dort ging er 1952 an die Technische Hochschule Karlsruhe, zum Elektrochemiker Günther, einem ziemlich schwierigen Chef. Dort habilitierte er sich 1953 mit „Untersuchungen von Auflösungs- und Anlaufmechanismen von schwerlöslichen Salzen mit Hilfe von Potentialmessungen“; 1959 wurde er apl. Professor. 1963 übernahm er das Ordinariat für „Physikalische Chemie und Elektrochemie“ an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, als Nachfolger von Erich Lange. Wenn Herr Günther in Karlsruhe schwierig war, so war es Herr Lange nicht minder, insbesondere weil er wenig Lust hatte, das Feld für einen Jüngeren zu räumen. Er machte daher Walther Jaenicke am Anfang das Leben sehr schwer, obwohl dieser sehr erfolgreich zum Nutzen des Lehrstuhls verhandelt hatte. So wurden die Personal- und Sachmittel verdoppelt und der überfällige Ausbau der alten Räume durchgeführt. Noch entscheidender für die Entwicklung aller chemischen Fächer aber war die Zusage, auf dem sogn. Südgelände einen Neubau zu errichten, der auch Platz für einen zweiten Lehrstuhl für Physikalische Chemie und einen Lehrstuhl für Theoretische Chemie bot. Typisch fuer die Geisteshaltung von Walther Jaenicke ist, dass er bei der Einweihung des neuen Hörsaalgebäudes im November 1972 nicht seine Verdienste um die Verwirklichung dieses Projektes herausstrich, sondern klagte: „was dem alten Kollegen viele Jahre verweigert wurde, erhielt der neu berufene.“ Mit dem Neubau war die Möglichkeit gegeben, die „72. Hauptversammlung der Deutschen Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie“1973 in Erlangen auszurichten.

In Erlangen befaßte sich Walther Jaenicke sehr bald mit der Auflösungskinetik von Silbersalzen. Dies führte ihn über die Fixierung von photographischen Bildern auch zum Entwicklungsvorgang und zur detaillierten Struktur der fehlgeordneten Silberhalogenide. Der aus diesen Arbeiten erwachsene 120-Seiten Artikel „Electrochemical Aspects of the Photographic Process“ wurde ein Markstein auf diesem Gebiet (in: Advances in Electrochemistry and Electrochemical Engineering, Vol 10 (1977), Wiley). Mittlerweile hatte sich die Elektrochemie mit den modernen dynamischen Methoden (z.B. Druck- und Temperatursprung) neue und mächtige Werkzeuge geschaffen, die von Walther Jaenicke sofort und vielfältig genutzt wurden, z.B. zur Untersuchung des Mechanismus der Farbkupplung in der Farbphotographie, oder der Oxidation von Zink und Kupfer. Der Schlüssel zum Erfolg hierbei lag in der Separation kinetischer Teilschritte. Von den heterogenen Elektronen-Durchtrittsreaktionen führte der Weg zu den nachgelagerten Gleichgewichten und dann auf neue Klassen von homogenen Elektronen-Austauschreaktionen.

Mit dem Bezug des Neubaus an der Egerlandstrasse konnten NMR- und ESR-Spektrometer angeschafft werden, die kinetische und dynamische Experimente zum homogenen und heterogenen Elektronenaustausch ermöglichten. Zusammen mit G. Grampp führte Walther Jaenicke auch noch nach seiner Emeritierung am Ende des SS1988 die Experimente weiter, deren Ergebnisse sich im Rahmen der Marcus-Theorie erfolgreich interpretieren ließen.

In der Lehre galt Walther Jaenicke’s besondere Aufmerksamkeit den Grundvorlesungen, denn hier können die hervorragendsten Leistungen auf dem Gebiet der physikalischen Chemie komprimiert, aber in all ihrer Vielfalt, dargestellt werden. Andererseits erinnern sich aber auch viele Mitarbeiter gerne an stundenlange Diskussionen über Übungsaufgaben. Da es zu dieser Zeit kein modern konzipiertes Lehrbuch der Physikalischen Chemie in deutscher Sprache gab, übersetzte Prof. Jaenicke zusammen mit Prof. H. Göhr den „Moelwyn Hughes“. In seiner Originalität und seinem Anspruch war dieser ein Genuß zum Lesen – für den, der schon wußte um was es ging; weniger für die meisten Studenten.

In das internationale Rampenlicht trat der Jaenicke’sche Lehrstuhl 1983 durch die Organisation der Jahrestagung der International Society of Electrochemistry, zu der mehr als 600 Teilnehmer aus aller Welt nach Erlangen kamen. Bestandteil der Tagungsunterlagen war eine kleine Monographie „Erlangen and its University as Seen by a Chemist“. In dieser Schrift gibt Walter Jaenicke einen Überblick über die wechselvolle Geschichte der Universität und ihrer handelnden Personen. Sein Urteil ist, wie immer, das Ergebnis einer messerscharfen Analyse und entsprechend deutlich ausformuliert.

Sein Interesse fuer Geschichte und deren Aufarbeitung hat Walter Jaenicke veranlasst, für die Festschrift anlaesslich des 250. Geburtstags der FAU den Beitrag „Naturwissenschaften und Naturwissenschaftler in Erlangen 1743-1993“ zu schreiben. Ebenso übernahm er nach seiner Emeritierung 1988 das Archiv der Deutschen Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie und brachte 1994 die Monographie „100 Jahre Bunsengesellschaft, 1894 – 1994“ heraus. In ihr ist nicht nur die Entwicklung dieser Gesellschaft in Zahlen und Fakten nachgezeichnet, sie enthält auch viel Interessantes über Menschliches und Allzumenschliches aus dem Kreise ihrer führenden Köpfe, sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhalten der Gesellschaft während der braunen Diktatur. In Würdigung seines wissenschaftlichen Lebenswerkes und seiner Verdienste um die Bunsengesellschaft hat diese ihm 1997 die Bunsen-Denkmünze verliehen.

Seine Offenheit für vielschichtige Probleme führte fast zwangsläufig dazu, dass Walther Jaenicke neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit noch die verschiedensten Funktionen übernahm. So war er Fachgruppensprecher und 1970/71 Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät, sowie Fakultätsvertreter im kleinen Senat. Als Mitglied des Gründungsausschusses war Walther Jaenicke maßgeblich an der erfolgreichen Einrichtung der Technischen Fakultät an der FAU beteiligt.

Walther Jaenicke initiierte auch einen Austausch von Wissenschaftlern und transnationale Kooperationen (z.B. mit dem „Institute of Photographic Chemistry“, Peking) lange bevor „Internationalität“ als Qualitätskriterium für Universitäten entdeckt wurde.

Dem Fachgebiet diente er als einer der Herausgeber der traditionsreichen „Zeitschrift für Physikalische Chemie“ und als Vorsitzender mehrer Kommissionen der Bunsengesellschaft. Er war Fellow der „Society of Imaging Science & Technology“ und 1978-80Vizepräsident der „International Society of Electrochemistry.“ Als Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1975-1983) bemühte er sich um eine gerechte Forschungsförderung, besonders auch für junge Wissenschaftler.

Walther Jaenicke nahm bis in das hohe Alter regen Anteil am Leben des Instituts und der gesamten Universität. Er verstarb am 13. Oktober 2010 nach einem wissenschaftlich erfolgreichen Leben, das ihm aber auch persönliche Schicksalsschläge nicht ersparte.

Prof. Dr. Erich Lange († 1981)

Nachruf

Erich Lange wurde am 26.11.1896 in Hartha bei Waldheim (Sachsen) geboren. Unmittelbar nach Beendigung seiner Schulzeit in Mittweida und Chemnitz wurde er zum Militärdienst eingezogen, der für ihn 1919 mit der Internierung in Konstantinopel endete. Danach begann er ein Studium an der Technischen Hochschule in Dresden. Die 1922 begonnene Diplomarbeit führte er unter Anleitung von Erich Müller aus.

1924 promovierte er in Dresden zum Dr. ing. mit einer bei Kazimierz Fajans ausgeführten Arbeit über Lösungs- und Verdünnungswärmen einiger Alkalihalogenide von äußerster Verdünnung bis zur Sättigung. Auf dem Gebiet der Verdünnungswärme von starken und schwachen Elektrolyten bei sehr großer Verdünnung und der Erforschung von Zusammenhängen mit der Debye-Hückelschen Theorie habilitierte er sich 1928 bei seinem Lehrer Fajans an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Arbeiten über Verdünnungswärmen verlangten eine besondere experimentelle Genauigkeit. So haben Lange und seine Mitarbeiter erstmalig eine Temperaturempfindlichkeit von 10-7 °C erreichen können, ein Spitzenwert, der lange kaumübertroffen werden konnte.

Aus der Schule E. Müllers und K. Fajans stammen auch noch Langes erste Arbeiten über potentiometrische Fällungstitrationen. Ausgehend von der Methodik gelangte er in München bald zu einer Folge grundsätzlicher Studien über potentialbestimmende Ionenadsorption an Fällungen, wie den Silberhalogeniden.

1932 wurde Lange als Nachfolger des ersten Vertreters eines selbständigen Faches Physikalische Chemie, nämlich Günter Scheibe, auf das „Extraordinariat für Physikalische Chemie“ an die Universität Erlangen berufen. Da er in München maßgebend bei der Planung des neuen Fajansschen Instituts beteiligt war, konnte er, auf seinen Erfahrungen aufbauend, sein eigenes Forschungsinstitut für die damalige Zeit vorbildlich gestalten. 1958 wurde er zum persönlichen Ordinarius ernannt. 1959 gelang ihm der Aufstieg zum planmäßigen Ordinarius und die Einrichtung eines selbständigen Instituts, das er in hartnäckigen Bemühungen im Gebäude der Angewandten Chemie (Schuhstraße 19) so wuchern ließ, bis er es zu einem geachteten Zentrum elektrochemischer Forschung ausgebaut hatte.

Elektrochemie

Bereits 1933 publizierte er einen Artikel über die Elektrochemie der Phasengrenzen im Handbuch der Experimentalphysik, der den Elektrochemikern viele Jahre lang als wesentliche Grundlage für eine wissenschaftliche Betrachtung der Vorgänge an elektrochemischen Elektroden gedient hat. Von diesem Handbuchartikel über Phasengrenzpotentiale ausgehend widmete sich Lange bereits in den ersten Erlanger Jahren der weiteren Erforschung dieses Gebietes, und zwar schon nicht bloß der experimentellen Seite, sondern mehr noch den Fragen der Begriffsbestimmung. Im Interesse einer Förderung des chemischen Unterrichtes, ebenso wie zum Aufbau eines festgefügten Fundamentes sind ihm Nomenklaturfragen solcher Art zum wichtigsten Anliegen, ja man kann sagen, zu einer Herzenssache, geworden.

Ab 1952 hat ihm die Bestimmung der Verdünnungswärmen der verschiedensten anorganischen und organischen Substanzen in Wasser und anderen Lösungsmitteln wieder ein schier unerschöpfliches Arbeitsfeld geboten, das er meisterhaft beherrschte. Rechnet man auch seine Untersuchungsreihe über die elektrolytische Peltierwärme und die Peltierwärmen an metallischen Zweiphasensystemen, sowie über die Temperaturkoeffizienten der Dielektrizitätskonstante von Wasser hinzu, so ergibt sich allein in seiner thermochemischen Arbeitsrichtung eine stattliche Liste von etwa 75 Veröffentlichungen.

Die Elektrochemie verdankt Lange und seinen Mitarbeitern eine große Zahl hervorragender experimenteller Untersuchungen, verbunden mit vertieften grundsätzlichen Einsichten über die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Phasengrenzpotentialen und Grundüberspannungen oder über die zwei- und mehrfachen Elektroden. Hieraus entwickelten sich als wichtige Forschungsrichtungen die umfassenden Studien über die Voltaspannungen und die Erforschung anderer Elektrodenvorgänge. Mit der Messung der Volta-Spannung, deren Methodik er verbesserte, konnte er viele wichtige Erkenntnisse über Vorgänge an Phasengrenzen gewinnen, so z.B. über die Chemisorption, über Oberflächenverbindungen und nicht zuletzt über die meteorologisch interessante Reifbildung an H2O-Phasen oder über den nicht zu vernachlässigenden Potentialsprung Metall/Metall in galvanischen Ketten. Seine Forschungen über anodische Prozesse vertieften das grundsätzliche Wissen vom elektrolytischen Polieren, trugen zur Aufklärung von Passivitätserscheinungen bei und lieferten eine Fülle wertvollen Materials über die Entstehung anodischer Deckschichten.

Neben der großen Zahl von mehr als 200 wissenschaftlichen Orginalarbeiten hat Erich Lange auch eine Anzahl Kapitel in Handbüchern, wie z.B. im Landolt Börnstein, verfasst. Er veröffentlichte ein Buch über „Chemische Thermodynamik“ (1949) und 1961 ein zweites Buch (gemeinsam mit H. Göhr) über „Grundlagen der Thermodynamischen Elektrochemie“.

Langes hervorragende wissenschaftliche Leistungen haben im In- und Ausland wohlverdiente Anerkennung gefunden. So wählte ihn das Comite International de Thermodynamique et de Cinetique Elektrochimiques (CITCE) 1954 zum Vizepräsidenten (bis 1957). Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig hat ihn 1961 zum Korrespondierenden Mitglied ernannt.

Dem Ständigen Ausschuß der Deutschen Bunsen-Gesellschaft gehörte er von 1958 -1961 an.

Prof. Dr. Ulrich Nickel

Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich Nickel

Bis 2007 Koordinator des Erasmus/Sokrates Studentenaustauschs der EU für den Bereich Chemie der FAU

Bis 2008 Koordinator des Hochschulpartnerschaftsprojektes der FAU mit der Universität La Serena /Chile

Bis 2015 Ständige Gastprofessur an der Universidad de La Serena/Chile

Forschungsschwerpunkte waren die Untersuchung der Kinetik und des Mechanismus chemischer und elektrochemischer Reaktionen.

Lehrtätigkeit vor allem im Bereich der Thermodynamik, Kinetik, Spektroskopie und Umweltchemie bis 2016 an der FAU sowie an verschiedenen lateinamerikanischen Universitäten.

Prof. Dr. Günter Scheibe († 31.05.1980)

Nachruf

Prof. Dr. phil. Dr. h.c. mult. Günter Scheibe

(Erster Vertreter des eigenständigen Faches „Physikalische Chemie“ an der FAU)

Günter Scheibe wurde am 24.11.1893 in München als Sohn eines Hals-Nasen-Ohrenarztes geboren, der später als Leiter der HNO-Klinik an die Universität Erlangen berufen wurde. Nach dem Abitur am Theresiengymnasium in München begann er an der Ludwig-Maximilians-Universität im Jahre 1913 mit dem Studium von Physik und Chemie, das er nach seinem Wehrdienst als Krankenpfleger (1914/15) an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen fortsetzte, wobei sich das Schwergewicht bald zur organischen Chemie, insbesondere der Farbstoffe, verlagerte. Seine Lehrer waren insbesondere Richard Willstätter, Heinrich Wieland und Otto Fischer, bei dem er im November 1918 mit einer Arbeit über „Chinocyanine“ zum Dr. phil. promovierte. Im selben Jahr synthetisierte er das N,N’-Diäthyl-2,2′-cyanin, von ihm Ψ-Isocyanin (Pseudo-isocyanin = PIC) genannt, das als Modell für intermolekulare Wechselwirkungen in vielen seiner Arbeiten eine zentrale Rolle spielt, sowie einen technisch brauchbaren Infrarot-Sensibilisator für die Photographie darstellt. Von seiner Dissertation an benutzte er die Absorptionsspektroskopie als sein wesentliches Werkzeug zur Kennzeichnung und Strukturermittlung organischer Verbindungen. Der Problemkreis Spektrum-Konformation-Elektronenstruktur-Reaktivität beschäftigte ihn bis in seine letzten Tage.

Nach einem Zwischenspiel als Assistent an der Medizinischen Akademie Düsseldorf, wo er sich 1920 mit der Haltbarmachung des damals gebackenen „Notbrotes“ befaßte, habilitierte er sich 1922 als Assistent von Max Busch in Erlangen mit einer Arbeit „Zur Konstitution organischer Farbstoffe“. Er erhielt den Auftrag, dort am Institut für angewandte Chemie eine physikalisch-chemische Abteilung aufzubauen.

G. Scheibe lehnte 1924 einen Ruf nach Greifswald ab. Als er 1929 einen Ruf an die deutsche Hochschule in Prag erhielt, erklärte er sich bereit, in Erlangen zu bleiben, „wenn sein Fach wenigstens durch ein Extraordinariat vertreten würde“. Bereits im darauf folgenden Jahr erhielt G. Scheibe ein sehr attraktives Angebot aus Kiel. Auf Antrag des Senats wurde 1930 ein persönliches Ordinariat für ihn bewilligt um ihn in Erlangen zu halten.

1928 war G. Scheibe ein halbes Jahr als Gast bei James Franck am II. Physikalischen Institut in Göttingen. Er lernte dort neue Techniken kennen, insbesondere die Vakuum-UV-Spektroskopie, und brachte seinerseits interessante chemische Fragestellungen ein. Hier ergab sich auch eine Zusammenarbeit mit G. Herzberg (Nobelpreis 1971), aus der neben einigen Veröffentlichungen ein lebenslanges, freundschaftliches Verhältnis resultierte.

Als 1932 an der Technischen Hochschule München ein neues Institut und Ordinariat für Physikalische Chemie eingerichtet wurde, übernahm er dessen Aufbau und Leitung. Er führte es über die schwierige Kriegszeit, mit teilweiser Verlagerung auf das Sudelfeld, hinweg. Aus Verbundenheit mit diesem Institut lehnte er 1951 den ehrenvollen Ruf an die Universität Göttingen als Nachfolger von Arnold Eucken ab.

G. Scheibe wurde 1961 emeritiert, betreute aber bis fast zum 80. Lebensjahr noch einige Arbeiten. Das wissenschaftliche Werk von Günter Scheibe, von dessen Vielseitigkeit ca. 160 Publikationen Zeugnis geben, ist beherrscht von der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Farbe und Konstitution. Seine Fragestellung geht immer von der unmittelbaren Erfahrung des Chemikers mit dem Stoff aus; sein bevorzugtes Hilfsmittel ist die Spektroskopie, zu deren Entwicklung er selbst wesentliche Beiträge geliefert hat. Schon in seiner Dissertation kennzeichnete er die von ihm dargestellten Cyaninfarbstoffe, darunter das neu synthetisierte Pseudoisocyanin, durch ihre charakteristischen Lichtabsorptionsbanden. In einer unmittelbar folgenden Arbeit beschrieb er eine Verbesserung des Handspektroskops. Die Spektroskopie diente ihm bei seinen weiteren Arbeiten nicht nur zur qualitativen, sondern auch zur quantitativen Analyse und zur Erforschung der Elektronenstruktur von Molekülen. Mit der 1924 von ihm entwickelten photographischen Methode hat er Ultraviolett-Absorptionsspektren aufgenommen, wie sie die modernen lichtelektrischen Geräte von heute kaum besser liefern. Schon 1926 ordnete er bestimmte Absorptionsbanden der Ketone verschiedenen Teilen des Moleküls zu und unterschied sie aufgrund ihres Lösungsmitteleffekts. Mit Pummerer untersuchte er die Konstitution des Kautschuks und stützte aus der UV-Absorption die Ansicht, daß nur isolierte Doppelbindungen vorhanden sind (1927). Er entdeckte die Elektronen-affinitätsspektren der Halogenionen und brachte sie in Beziehung zu ihren Redoxpotentialen (1927/28). Mit Hilfe der dabei gewonnenen Erkenntnisse deutete er, zusammen mit G. Herzberg, die Schumann-Spektren der Methylhalogenide. Auch viele andere einfache organische Verbindungen wurden im Vakuum-UV untersucht.

1936 fand er die Assoziation des Pseudoisocyanins (das er schon 1918 synthetisiert hatte) und anderer Cyanine zu den „reversiblen Farbstoffpolymerisaten“ mit ihren charakteristischen Assoziatbanden (Bei Kodak in England hatte E.E. Jelley im selben Jahr einen analogen Effekt an Farbstoff-Adsorbaten entdeckt, die er im Zusammenhang mit der photographischen Sensibilisierung studierte. Die Angelsachsen nannten die neue, extrem scharfe Assoziat-Absorption Herrn Jelley zu Ehren gleich J-Banden, und dabei blieb es. Andererseits hat sich für diese Form von Aggregaten der Term „Scheibe – Aggregate“ durchgesetzt). Diese Entdeckung und die darauf fußenden Arbeiten sind es vor allem, die Scheibes Namen bei den physikalisch orientierten Organikern und Photochemikern weltweit bekannt gemacht haben. Die Assoziate erwiesen sich als besonders geeignete Modelle zum Studium der zwischenmolekularen Kräfte, der Energieleitung und des Mechanismus der spektralen Sensibilisierung photographischer Schichten. G. Scheibe entdeckte, daß die Assoziation durch Wechselwirkung mit biochemisch und medizinisch interessanten Substraten sehr spezifisch begünstigt werden kann (1958). Er gründete darauf einen empfindlichen Nachweis für Mucopolysaccharide (1967 mit Vogt und Suschke). An den monomeren Farbstoffen entdeckte er eine einfache Beziehung zwischen Lichtabsorption und Basizität; beim Versuch, diese zu deuten, machte er die für Abschätzungen sehr nützliche, merkwürdige Beobachtung, daß die Termdifferenzen gewisser angeregter Zustände der verschiedensten Moleküle denjenigen des Wasserstoffatoms sehr ähnlich sind (1952). Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Theorie der Molekülspektren stehen Untersuchungen mit polarisiertem Licht über die Lage der Übergangsmomente innerhalb der Moleküle. Ein frühes Beispiel dafür ist der Nachweis einer bevorzugten Orientierung der aromatischen Ringe im Tabakmosaikvirus, zusammen mit Adolf Butenandt (1942). Die photochemische trans-cis-Umlagerung, die bei einfachen Cyaninen gefunden wurde (1954), war Anlaß zu theoretischen und experimentellen Arbeiten über die Elektronenverteilung in organischen Verbindungen. Auch das Studium der Tautomerie der Dichinolylmethane diente zur Aufklärung des Zusammenhangs zwischen Elektronenstruktur und Lage des Gleichgewichts.

Neben der Absorptionsspektroskopie begann Günter Scheibe bereits 1928 mit der Anwendung der Emissionsspektroskopie in der quantitativen Analyse von Metallen, die später auch auf Glas und andere nichtleitende Materialien ausgedehnt wurde. Sie führte zu verschiedenen apparativen Entwicklungen und zu neuen Einsichten in den Entladungsvorgang.

Als akademischer Lehrer hat G. Scheibe eine große Zahl von jungen Wissenschaftlern begeistert und sie zum Gebrauch ihrer Phantasie angeregt. Allen hat er große Freiheit gewährt und auch Gebiete gefördert, die nicht in seinem unmittelbaren Interesse lagen, wie: Röntgenstrukturanalyse (W. Hoppe), Elektrochemie (C.A. Knorr), Theoretische Chemie (E. Ruch) und Wissenschaftliche Photographie (H. Frieser). Seine Vorlesung war im Aufbau unkonventionell, oft von interessanten Seiten- und Ausblicken unterbrochen. Stets mühte er sich um didaktisch klare Modelle für komplizierte Vorgänge. Sein zeichnerisches Talent kam bei seinen Tafelskizzen ans Licht.

An seinem Institut herrschte auch in politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten, so während der kriegsbedingten Auslagerung in das Berghotel Sudelfeld bei Bayrischzell und beim Wiederaufbau in den Fünfzigerjahren, eine warme Atmosphäre der gegenseitigen Achtung und Hilfsbereitschaft aller Mitglieder. Er liebte die Geselligkeit bei Feiern im Institut und auf gemeinsamen Wanderungen, während er sich von der „großen Gesellschaft“ zurückhielt. Öffentliches Auftreten war ihm eher peinlich.

Außerhalb der Hochschule war G. Scheibe maßgeblich an der Einrichtung der neuen chemischen Abteilung des Deutschen Museums beteiligt, dessen Vorstand er über viele Jahre angehörte. Er ist Mitbegründer der Spectrochimica Acta und war Mitherausgeber der Berichte der Bunsengesellschaft für physikalische Chemie. Als Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft stellte er seine breiten Kenntnisse in den Dienst der Forschungsförderung.

Die vielseitigen wissenschaftlichen Leistungen von G. Scheibe fanden Anerkennung durch seine Berufung in die Bayerische Akademie der Wissenschaften (1940), die Deutsche Akademie der Naturforscher, Leopoldina, in den Senat der Fraunhofer-Gesellschaft und in die Vorstände des Deutschen Museums und des Deutschen Spektroskopikerausschusses.

Die Ludwig-Maximilians-Universität München verlieh G. Scheibe am 04.12.1963 den Dr. rer. nat. h. c., die Universität Erlangen-Nürnberg ebenfalls den Dr. rer. nat. h. c. am

08. 06. 1966. Von der Gesellschaft Deutscher Chemiker wurde ihm 1964 die Liebig-Denkmünze verliehen. Der bayerische Staat zeichnete ihn im Jahre 1968 mit dem bayerischen Verdienstorden aus.

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Günter Scheibe organisierten J. Friedrich (Univ. Bayreuth) und S. Schneider (Univ. Erlangen-Nürnberg) 1993 das 122. WE-Heraeus-Seminar als „Günter-Scheibe-Colloqium“ mit dem Titel:  Non-linear Laser Spectroscopy of Organic Dyes in Condensed Phase. Der Zeitpunkt war insofern glücklich gewählt als die rasanten Entwicklungen auf dem Gebiet der cw-Laser (hohe spektrale Auflösung) und der Kurzpuls-Laser (hohe Zeitauflösung und hohe Spitzenleistungen) neue Möglichkeiten boten  für Anregung und Abfrage. Weiter entwickelte Techniken erlaubten, die verschiedenen strahlenden und strahlungslosen intramolekularen elektronischen Relaxationsprozesse, den intermolekularen Elektronentransfer und die ersten Schritte photoinduzierter Reaktionen mit bis dahin unerreichter Präzision zu verfolgen. Daher wurden auch viele Fragestellungen, die G. Scheibe und Mitarbeiter bereits an den Pseudoisocyanin-Aggregaten untersucht hatten, wieder aufgegriffen, wie z. B. ihre Resonanzfluoreszenz und deren Löschung durch sehr verdünnt eingebaute Gastmoleküle.

Aus dem zuletzt genannten Effekt schloß Scheibe auf eine verlustlose Energiefortleitung über die Assoziat-Kette. Edward Teller beschrieb diese als erster theoretisch in einem Excitonenmodell. Damit verbunden ist die Frage nach der minimalen Kettenlänge für das Auftreten der J-Bande, nach der Kohärenzlänge der delokalisierten Excitonen, und nach der räumlichen Struktur der Aggregate.

Entsprechend der Vielzahl der Fragestellungen, die mit Pseudoisocyanin-Aggregaten als Modellsubstanz untersucht werden können, erschienen in den 1990er Jahren mehrere Hundert Publikationen, sowohl experimenteller als auch theoretischer Natur, zum Themenkreis „Scheibe – Aggregate“.

Prof. Dr. Siegfried Schneider

Vita

1940Geboren am 16. Oktober in Deggendorf
1946 – 1950Alte Knabenschule Deggendorf
1950 – 1959Oberrealschule Deggendorf – Abitur
1959 – 1960Grundwehrdienst
WS 1960 – SS 1964Studium der Physik an der TH München
WS 1964/65Gasthörer an der ETH Zürich
SS 1965Diplomarbeit bei Prof. Dr. Georg Hohlneicher Diplomhauptprüfung Physik
1965 – 1968Dissertation bei Prof. Dr. Georg Hohlneicher Promotion zum Dr. rer. nat.
1969 – 1971Postdoc bei Prof. Dr. E. W. Schlag an der Northwestern University, Evanston, USA und „Instructor“ am Chemistry Department
1971 – 1976Habilitation bei Prof. Dr. Dörr an der TH München
1976/77Ernennung zum Privatdozenten/Universitätsdozenten
1980Ernennung zum Professor C2 an der TU München
1987/88Lehrstuhlvertretung: Physikalische Chemie II der TU München
1988Berufung auf den Lehrstuhl Physikalische Chemie I an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
1995 – 1997Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät II
1996 – 2004Initiator und Sprecher des Graduiertenkollegs „Homogener und Heterogener Elektronentransfer“
2004 – 2006Freistellungsphase der Altersteilzeit
2006Pensionierung

Auszeichnungen

1982Carl-Duisberg Gedächtnispreis der GDCh
1998Bonhoeffer-Eucken-Scheibe Vorlesung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie

Forschung

Unsere Forschungsaktivitäten umfassten den Einsatz einer Vielzahl von spektroskopischen Techniken und Quantenchemischen Verfahren zur Bearbeitung von Fragestellungen, die das grundlegende Verständnis von photophysikalischen und photochemischen Prozessen betreffen, als auch solche von technischem Interesse, zum Teil in Kooperation mit Industrieunternehmen.

Es wurde darauf Wert gelegt, die eingesetzten Techniken jeweils auf dem aktuellem „state-of-  the-art“ Zustand zu halten, was meistens eine Eigenentwicklung unter Einbezug von käuflichen Komponenten bedeutete. Zum Einsatz kamen: Absorptions- und Emissions-Spektroskopie (stationär und zeitaufgelöst bis in den Pikosekunden-Bereich), Schwingungsspektroskopie (IR- und Raman-Spektroskopie, teilweise „zeitaufgelöst“), Kohärente Anti-Stokes Raman-Spektroskopie (CARS), Surface-Enhanced Raman-Spektroskopie (SERS), Photo-akustische Spektroskopie.

Beispiele von in Erlangen bearbeiteten Themen

(Die angegebenen Ziffern beziehen sich auf die Nummern in der Liste der Veröffentlichungen)

Tetrazykline – in Lösung und eingebettet in Tet-Repressor-Proteine

Die Arbeiten im Rahmen des SFB 473 befassten sich mit der Struktur und Funktion von Tetrazyklin und seinen Derivaten in Lösung und wenn diese in verschiedenenTet-Repressor-Mutanten eingebaut sind. Als vierprotige Säuren zeigen Tetrazykline in Lösung ein sehr komplexes Protonierungs-Deprotonierungs-Verhalten, das noch durch das temperaturabhängige Auftreten mehrerer tautomerer Formen verkompliziert wird. Dementsprechend war die Zuordnung beobachteter pKa – Werte lange Jahre umstritten. Ähnliches gilt bei der Komplexierung zwei-wertiger Metall-Ionen (231, 229, 194, 168).

Im nativen Tet-Repressor-Protein werden nur metall-komplexierte Tetrazykline mit unterschiedlichen Bindungskonstanten eingebaut. Im Arbeitskreis von Prof. W. Hillen war es gelungen, Mutanten zu generieren, die auch unkomplexierte Tetrazykline, allerdings mit reduzierter Bindungskonstante, einbauen. In beiden Fällen kommt es zu Konformationsänderungen des Proteins, die wir mittels stationären und zeitaufgelösten Messungen der Tryptophanfluoreszenz, sowie durch Messung der Resonanz-Ramanspektren der Tetrazykline charakterisieren konnten (216, 212, 205, 184, 183, 179). Letzteres ist im Gegensatz zu früheren Messungen an Tetrapyrrol-Chromophoren in Antennenkomplexen möglich, weil Tetrazykline nur eine stark Stokes-verschobene Fluoreszenz zeigen, als deren Ursache ein innermolekularer Elektronentransfer im angeregten Zustand (ESIPT) angesehen wird.

Die Eignung der Tryptophanfluoreszenz als Indikator für Konformationsänderungen konnte am Beispiel zweier „single tryptophan“ Mutanten des TetR(B) Dimers belegt werden (205). In Mutante W170 wechselwirkt das Tryptophan mit möglichen Quencher-Molekülen in beiden Untereinheiten, die Fluoreszenzlebensdauern variieren mit Beobachtungswellenlänge und äußerem Druck. In Mutante W171, in der das Tryptophan weitgehend Lösungsmittel-exponiert ist, ist das Fluoreszenzverhalten fast unabhängig von diesen Parametern. Bei Drucken bis zu 300 MPa erfolgt keine vollständige Dissoziation in Monomere, allerdings wird bei Druckreduktion auch nicht der Ausgangszustand erreicht.

Ergebnisse unserer Messungen wurden durch quantenchemische Modellrechnungen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis von Prof. T. Clark und mit Prof. M. Reiher interpretiert (230, 209, 176).

IR und Raman-Spektroskopie von speziellen Metallkomplexen

Im Rahmen des SFB 583 führten wir Schwingungs-spektroskopische und Spektro-elektrochemische Untersuchungen an zwei Gruppen von Metallkomplexen durch.

Die Synthese von Modellverbindungen für die biologische N2-Fixierung war Schwerpunkt des Arbeitskreises von Prof. D. Sellmann. Die Ramanspektren bestätigten z.B. die Vermutung, dass in dem Komplex [m-N2{Ru(PiPr3)(N2Me2S2)}2] die zentrale Ru-NN-Ru Einheit nicht linear ist (221,213).

Im Arbeitskreis von Prof. S. Schindler wurden neue Komplexe vom Typ Fe(phen)2(NCS)2 synthetisiert, die das spin cross-over Phänomen zeigen. Aus IR- und Raman-Spektren, aufgenommen bei unterschiedlichen Anregungswellenlängen und zwischen T=30 K und 298 K, konnten Sätze von Schwingungsfrequenzen für high und low spin Form erstellt werden und in Verbindung mit DFT-Rechnungen (Prof. M. Reiher) der vibronische Beitrag zur Entropie-Änderung berechnet werden (233, 227).

Photo-induzierter Elektronentransfer in Systemen mit drei Chromophoren

Im Arbeitskreis von Prof. J. Daub (Regensburg) wurden Modellsysteme zur Funktion eines Blaulicht-Photorezeptors synthetisiert: (Pyren-Isoalloxazin-Phenothiazin) –Triaden. Die Fluoreszenzmessungen zeigen, dass Pyren als Antenne wirkt und die Anregungsenergie auf das Isoalloxazin übertragen wird. Anschliessend kommt es zum Elektronentransfer vom Phenothiazin auf das Isoalloxazin (211).

Vom Arbeitskreis Daub stammten auch zwei Donor-Bridge-Acceptor (DBA) Systeme, in welchen ein Phenothiazin (D) über eine Phenylbrücke an ein Pyren (A) gebunden ist. Die Verbindungen zeigen in mittelpolaren und stark polaren Lösungsmitteln eine duale Fluoreszenz, die kürzerwellige mit LE-Charakter, die längerwellige mit CT-Charakter. Beide Emissionen stammen von verschiedenen Konformeren, wie auch durch quantenchemische Modellrechnungen verständlich gemacht werden konnte (201).

„Through bond“ und „through space“ Elektronentransfer

Die relative Bedeutung von „through bond“ und „through space“ Elektronentransfer war lange Zeit eine heiß diskutierte Fragestellung. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit Prof. J.W. Verhoeven (Amsterdam) Modellverbindungen aus dem Arbeitskreis von Prof. M.N. Paddon-Row (Sydney) untersucht (180). Die Modelle in Form von Diaden und Triaden enthielten N,N-Dimethylanilin (DMN), Dimethoxynaphthalin (DMN) und die Dicyanovinylgruppe (DCV) jeweils verbunden mit starren norbornylogen Brücken unterschiedlicher Länge. Bei den Dyaden konnte gezeigt werden, dass die Rate für den Ladungstransfer exponentiell mit der Zahl der aliphatischen Bindungen variiert (Exponent 0.80). Im Fall der Triaden existieren eine syn– und eine anti-Konformation mit einem Abstand zwischen DMN und DCV von 14.9 bzw19.4 Å. Die „through bond“ Wechselwirkung sollte in beiden Konformationen gleich sein, die „through space“ Wechselwirkung im Fall der syn-Konformation viel höher. Die Ergebnisse der (sub) Pikosekunden Pump-Abfrage Experimente unterscheiden sich stark, wobei ein zusätzlicher wichtiger Faktor die unterschiedliche, lösungsmittelabhängige, Energetik der verschiedenen Ladungstransferprozesse ist.

Der eingesetzte experimentelle Aufbau war der komplexeste, der je von uns realisiert wurde. Die Impulse aus einem Rh6G/DODCI CPM Farbstofflasers (80-100 fs, 50 pJ bei 616 nm) wurden in einer, von einem Excimerlaser-gepumpten, vierstufigen Rh101 Verstärker-Anordnung um den Faktor 106  verstärkt. Ein Teil davon wurde frequenz-verdoppelt und beim Durchgang durch das Rohr eines zweiten Excimerlasers verstärkt (200 fs, 200 µJ, 308 nm) und schließlich auf die Probe fokussiert. Der andere Teil wurde entweder direkt zur Abfrage bei 608 nm benutzt, oder zur Erzeugung eines Kontinuums zwischen 450 und 650 nm auf einen dünnen Saphirkristall fokussiert. Die Intensitäten des transmittierter Pump- bzw. Abfrage-Strahls wurden mittels einer CCD-Kamera registriert.

Photo-induzierter Elektronentransfer und darauf folgende Konformationsänderungen

Triebkraft für eine Konformationsänderung nach erfolgtem Elektronentransfer kann die elektrostatische  Anziehung zwischen den geladenen Gruppen sein („harpooning mechanism“) und/oder die Veränderung der Bindungsverhältnisse zwischen den Chromophoren. Als interessante Objekte in diesem Zusammenhang erwiesen sich Modellsysteme aus dem Arbeitskreis von Prof. J.W. Verhoeven (Amsterdam), in denen ein Anilin (D) über eine flexible Piperidyl-Brücke mit einem substituierten Naphthalin (A) verbunden ist. Zeitaufgelöste Fluoreszenzmessungen bei variablem Druck und variablerTemperatur bestätigten folgendes Modell: Nach dem photo-induzierten Elektronentransfer führt eine Rotation um eine Einfachbindung vom „fully extended“ CT-Zustand (ECT) zu einem „intermediate“ CT-Zustand (ICT); anschliessend  führt die Faltung des Piperidylrings zum „compact“ CT-Zustand (CCT). Der Einfluss der Viskosität des Lösungsmittels auf die Geschwindigkeit der Geometrieänderungen konnte erfasst und modelliert werden (199, 197, 192,161,152, 150).

Bildung und Zerfall von intramolekularen Exciplexen

In einer Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis von Prof. F.D. Lewis (Evanston) untersuchten wir die Bildung und den Zerfall von Exciplexen zwischen verschiedenen Arylen und substituierten Aminogruppen, und speziell solchen, die über eine aliphatische Kette unterschiedlicher Länge an einander gebunden waren. Dabei zeigten sich interessante Effekte abhängig einerseits davon, wie gut sich auf Grund der Einschränkungen durch die aliphatische Kette und der Grösse der Substituenten der Stickstoff der Aminogruppe dem Arylkörper nähern kann und andererseits davon, wie groß auf Grund der Lösungsmittelpolarität die treibende Kraft für den Übergang von einer gestreckten in eine gefaltete Exciplexgeometrie ist. Als photo-induzierte Reaktionen wurden intramolekularer Protonentransfer und Ringschlussreaktionen beobachtet (142, 134, 132, 125, 119, 111, 107).

Surface-Enhanced Raman-Spektroskopie (SERS)

Die Arbeiten auf dem Gebiet der oberflächenverstärkten Raman-Spektroskopie (SERS) zielten in zwei Richtungen. Als Voraussetzung für Anwendungen im Bereich der Spurenanalytik galt es, Verfahren zur gut reproduzierbaren Herstellung von SERS-aktiven Oberflächen zu entwickeln (228, 227, 226, 222, 217, 207, 198, 186, 185, 181, 173, 166, 162, 148, 139). Danach wurden Oberflächen unterschiedlicher Struktur auf ihre praktische Einsatztauglichkeit getestet, z.B. im Sinne der Forensik zum Nachweis von Drogen (220, 218, 210, 196) oder zur Registrierung von Schwingungsspektren bei anderen Symmetrie-Auswahlregeln (160, 143). Eine wenig bekannte Anwendung von SERS und oberflächenverstärkter Hyper-Raman-Spektroskopie (SEHRS) gelang uns im Rahmen der Korrelationsspektroskopie (225).

Energietransfer in den Antennenkomplexen von Cyanobakterien

Cyanobakterien besitzen intensiv gefärbte supramolekulare Aggregate von Phycobiliproteinen. Ihre Aufgabe es ist, Licht im Wellenlängenbereich 500 bis 650 nm zu absorbieren und die Anregungsenergie auf das photosynthetische Reaktionszentrum zu übertragen. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 143 haben wir in München begonnen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis von Prof. H. Scheer, die verschiedenen Biliproteine spektroskopisch zu charakterisieren und Geschwindigkeitskonstanten für den Energietransfer zwischen den unterschiedlichen Gliedern der Energietransferkette zu bestimmen. Eine wichtige Erkenntnis war, dass entgegen der allgemeinen Annahme auch in den intakten Aggregaten eine gewisse Heterogenität der Chromophor-Protein Anordnungen vorliegt (115, 105, 103, 96, 86, 84).

In Erlangen haben wir diese Zusammenarbeit fortgesetzt, wobei ein Schwerpunkt der Arbeiten auf der Anwendung der Kohärenten Anti-Stokes Raman-Spektroskopie (CARS) lag zur Charakterisierung der Änderungen der Chromophor-Protein Anordnungen als Folge von Manipulationen (Aggregation, Einfluss von Linker-Proteinen, Belichtung (Photochromie), Druck, etc.) oder dem Ursprungsorganismus (147, 146, 136, 129, 126, 120).

Anwendungsnahe Fragestellungen

Ein Problem beim praktischen Einsatz von Kunststoffen ist deren Degradation unter Belichtung. In Kooperation mit der Firma BASF wurde dieser Prozess für poly (2,6-dimethyl-1,4-phenylene oxid) mittels mehrerer Techniken und Modellverbindungen studiert und die Endprodukte identifiziert. Die Hoffnung, einen einfachen Schutzmechanismus zu finden, hat sich nicht erfüllt (175, 165, 154, 151, 145, 133; Quantenchemische Rechnungen zusammen mit Prof. T. Clark).

Klassische „Photoresist-Materialien“ basieren auf Photoreaktionen mit einem speziellen Produktspektrum. Im Fall der lange bekannten o-Nitrobenzylester konnten wir mittels der „zeitaufgelösten“ Raman-Spektroskopie nachweisen, dass in aprotischen Lösungsmittel nur die entsprechende Nitronsäure gebildet wird; in protischen Lösungsmitteln dissoziert diese teilweise, so dass es schließlich zu einem Gleichgewicht mit dem entsprechenden Nitronat-Anion kommt (118). Die „zeitaufgelöste“ Raman-Spektroskopie ist eine Erweiterung der klassischen Blitzphotolyse in dem Sinne, dass zum Nachweis der transienten Spezies nicht deren Absorption gemessen wird, sondern die Intensität ihres Raman-Spektrums in Abhängigkeit von der Verzögerungszeit. Ihr Vorteil ist, dass das Schwingungs-Spektrum im Gegensatz zum UV-vis Absorptionsspektrum struktur-spezifische Information enthält und eine bessere Identifizierung der transienten Spezies erlaubt.

In Kooperation mit der Firma Siemens wurden modifizierte Duroplaste hinsichtlich ihrer Verwendung als „Low-Stress Materials“ zur Einkapselung elektronischer Bauelemente untersucht (138, 137).

In Zusammenarbeit mit Prof. R. Koch (FAU Erlangen) wurde das Eindringverhalten von kommerziellen Steinschutzmitteln in Kalksteinen untersucht. Zu diesem Zweck wurden diese mit fluoreszierenden Farbstoffen versetzt. An Dünnschliffen der behandelten Proben konnte über die ortsabhängige Intensität der Fluoreszenz die Bedeutung der intergranularen Makroporen und der interkristallinen Mikroporen aufgezeigt werden (200).

Prof. Dr. Gerd Wedler († 13.09.2008)

Nachruf

Gerd Wedler wurde am 19. August 1929 in Braunschweig als Sohn des Rektors Ernst Wedler und seiner Frau Martha geboren. Nach dem am Gymnasium Martino Katharineum abgelegten Abitur begann er im Sommersemester 1949 mit dem Studium der Chemie an der damaligen Technischen Hochschule Braunschweig und wurde in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen.

Zur Anfertigung der Diplomarbeit schloss sich Gerd Wedler dem Arbeitskreis von Prof. Dr. Rudolf Suhrmann an. Bereits 1955 legte er seine Dissertation vor mit dem Thema „Über den Zerfallsmechanismus der Ameisensäure am Nickelkontakt“. Anhand der Messungen des elektrischen Widerstandes konnte er unterscheiden zwischen dem Zerfall in CO und H2O bei erhöhter Temperatur und der Bildung von CO2 und H2. Die Thematik der Dissertation, nämlich die Erforschung der Primärschritte der heterogenen Katalyse, begleitete Gerd Wedler sein ganzes Forscherleben lang.

Mit Prof. Suhrmann wechselte Gerd Wedler an die Technische Hochschule Hannover, an der er 1960 seine Habilitationsschrift mit dem Thema „Über eine Methode zur Bestimmung der differentiellen Adsorptionswärme an aufgedampften Filmen“ abschloss. In dieser Arbeit wurden bis dahin unerreichte experimentelle Bedingungen realisiert: Ultrahochvakuum von 10-10 mbar, Messung von Temperaturänderungen der Größenordnung 10-6 K im Bereich zwischen 77 und 273 K, sowie die Bestimmung von Adsorptionswärmen bei Belegung mit weniger als 1/20 einer Monoschicht. Damit war das Tor zu einem neuen Forschungsfeld geöffnet, der „Surface Science“.

Ruf nach Erlangen

1966 nahm Gerd Wedler den Ruf auf den neu eingerichteten Lehrstuhl Physikalische Chemie II an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen an. Dieser war provisorisch u.a. in von der Pharmazie abgegebenen Räumen im alten Chemie-Gebäude in der Fahrstraße 17 untergebracht. Zu den ersten Aufgaben gehörten daher der Abbruch der für seine Arbeit unbrauchbaren Ausstattung und der Aufbau einer neuen, den geplanten Forschungsvorhaben angepassten Laboreinrichtung. Der 1972 erfolgte Umzug in das neue Chemie-Gebäude an der Egerlandstraße brachte eine erhebliche Vergrößerung der Forschungsflächen mit sich und erlaubte damit auch eine Ausweitung der Forschungsaufbauten und bearbeiteten Themen. Von besonderem Vorteil war dabei eine räumlich und personell hervorragend ausgestattete Glasbläserwerkstatt.

Die direkte mikrokalorische Präzisionsmessung von Adsorptionswärmen und Reaktionswärmen wurde schwerpunktmäßig in Erlangen fortgesetzt. Hinzu kamen die Bestimmung des elektrischen Widerstandes von Metallfilmen, die systematische röntgenografische Untersuchung der Struktur aufgedampfter Metallfilme und die Messung von Thermodesorptionsspektren.

Ab Ende der siebziger Jahre wandte sich Gerd Wedler dem konsequenten Studium von adsorptionsbedingten Änderungen der Struktur von Adsorbentien und Katalysatoren zu. In Kombination mit neu hinzugekommenen Techniken wie Elektronenmikroskopie und Elektronenbeugung sowie später der Photoelektronenspektroskopie wurden die Ergebnisse sorgfältig abgesichert.

Als in den achtziger Jahren kommerzielle Neodym-Laser verfügbar wurden, begann Gerd Wedler diese für zeitaufgelöste Untersuchungen der Desorption von CO auf Fe(110)-Oberflächen einzusetzen. Es konnte gezeigt werden, dass die Desorptionssignale einer Maxwell-Boltzmann-Verteilung entsprechen, deren Temperatur bei tiefen Temperaturen mit der berechneten maximalen Oberflächentemperatur übereinstimmt, bei hohen Temperaturen aber kleiner ist. Die Abnahme der Belegung wird durch ein Zeitgesetz erster Ordnung beschrieben.

In den 1990er Jahren lag ein Schwerpunkt der Wedlerschen Arbeiten bei der Untersuchung des Adsorptions- und Reaktionsverhalten kleinerer Kohlenwasserstoffe, der katalytischen Hydrierung von CO2 an Eisen, Kobalt oder Nickel und der Aktivierung von Katalysatoren durch Kalium. Gerd Wedler war 1993 Mitbegründer des Sonderforschungsbereichs „Mehr-komponentige Schichtsysteme“, in den er Arbeiten über das Wachstum und die Eigenschaften von Eisensiliziden einbrachte.

In den Jahren nach seiner Emeritierung 1995 sind von Gerd Wedler noch mehr als 20 Arbeiten erschienen. In ihnen ging es einmal um die Wechselwirkung verschiedener adsorbierter Spezies und ihre Auswirkung auf deren Anordnung auf der Oberfläche (Co, Cu, Fe, Si), zum anderen um die Untersuchung der katalysierten Reaktionen, wenn mehrere Reaktanden vorhanden sind. Im Falle von CO2, H2 und Ethen auf Co wird z.B. die Hydrierung von CO2 geblockt, solange Ethen in der Gasphase vorhanden ist. Umgekehrt beeinflusst CO2 in keinster Weise die Hydrierung von Ethen, weshalb ein komplexes Gemisch von Kohlenwasserstoffen entsteht.

Ein besonderes Anliegen Gerd Wedlers war es immer, durch parallele Untersuchungen mit mehreren der zur Verfügung stehenden Techniken (UPS, XPS, AES, TDS, Röntgen, LEED und TEEM) ein stimmiges Gesamtbild zu erarbeiten und die Reaktionen nicht nur unter Hochvakuumbedingungen sondern auch bei Normaldruck zu studieren.

Die Ergebnisse seiner Forschung hat G. Wedler in mehr als 200 Originalarbeiten publiziert, die die Entwicklung der „Surface Science“ seit deren Anfängen widerspiegeln.

Ebenso das Fach prägend waren und sind seine Beiträge in diversen Monografien, wie z.B. in den Klassikern: Physikalisch-Chemische Praktikumsaufgaben (Arnold Eucken und Rudolf Suhrmann, 1960) oder Praktische Physik (F. Kohlrausch, 1968), sowie das Kapitel über „Physikalische Chemie“ in der Enzyklopädie „Naturwissenschaft und Technik“ (1981). 1970 erschien das Buch „Adsorption“, das 1976 in der englisch-sprachigen Version „Chemisorption. An Experimental Approach“ herauskam.

Lehrbuchautor

Als Lehrbuchautor ist G. Wedler seit dem Erscheinen der ersten Auflage (1981) seines „Lehrbuch der Physikalischen Chemie“ unzähligen Chemie-Studenten bekannt. Ein Grund für den Erfolg dieses ersten modernen deutschen Lehrbuchs ist zweifelsfrei, dass sich G. Wedler bemüht hat, „Argumentationen der Art “wie leicht einzusehen ist“ oder „wie leicht abzuleiten ist“ zu vermeiden“ (Zitat aus dem Vorwort zur ersten Auflage). Fünfzehn Jahre nach dem Erscheinen der ersten Auflage hat G. Wedler das Lehrbuch durchgreifend überarbeitet, um neueren Entwicklungen in Form und Inhalt Rechnung zu tragen. Das Lehrbuch ist 2012 in 6. Auflage erschienen, wobei nach dem Tode von Gerd Wedler dankenswerter Weise Prof. Hans-Joachim Freund als Koautor fungiert. Er hat einige Erweiterungen vorgenommen, so dass das Buch auch hinsichtlich der neueren Entwicklungen aktuell ist. Überdies gibt es jetzt ein Arbeitsbuch dazu mit den Lösungen der im Lehrbuch enthaltenen Übungsaufgaben.

Neben der sorgfältigen Erledigung der Aufgaben in Lehre und Forschung hat sich Gerd Wedler stets im Rahmen der Selbstverwaltung und anderen Gemeinschaftsverpflichtungen zur Verfügung gestellt. In den Jahren 1974-1977 und 1987-1989 war er Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät II. Er war Mitorganisator der Hauptversammlung der Deutschen Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie 1973 in Erlangen sowie 1985 Organisator eines Bunsenkolloquiums mit dem Thema „Phase Transitions on Solid Surfaces“.

Die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie hat Gerd Wedler in Würdigung seiner Verdienste in Forschung und Lehre 1996 mit der Bunsen-Denkmünze ausgezeichnet.

Prof. Dr. Peter Wißmann († 22.08.2023)

Prof. Dr. Peter Wißmann studierte Physik und Mathematik an der TU Hannover und der Universität München und wurde 1967 zum Dr. rer. nat. in Hannover promoviert. Danach war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Erlangen-Nürnberg und dort von 1977 bis zu seiner Pensionierung 2001 C3-Professor für Physikalische Chemie.

Sein Forschungsinteresse konzentrierte sich auf die strukturellen, elektrischen und optischen Eigenschaften dünner Metallschichten und deren Änderung bei Wechselwirkung mit Gasen und er publizierte als Autor bzw. Co-Autor über 90 Veröffentlichungen. Herr Wißmann war Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Deutschen Bunsengesellschaft für physikalische Chemie und der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde..

Prof. Wißmann war von 1976-1978 Prodekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät II. Außerdem war er Vorsitzender des GDCh-Ortsverbandes 1982/1983, Sprecher der Fachgruppe Chemie 1983/1984 und 1989/1990. Für die Jahre 1988-1991 wurde er zum Sprecher des Fachausschusses Dünne Schichten bei der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gewählt.

Mit Prof. Peter Wißmann haben wir einen kompetenten und hochgeschätzten Wissenschaftler und Hochschullehrer verloren. Sein angesehenes Wirken in Forschung und Lehre werden wir in dankbarer Erinnerung behalten.

Prof. Dr. János Ladik (†)

Prof. em. Dr. techn. Dr. math. h.c. Dr. rer. nat. h.c. János Ladik (†)

Organizational activities

Member of the Council of the University for a 5 year period. Director (once) and Codirector (twice) of NATO Advance Study Institutes (ASI-s) on different aspects of the quantum theory of polymers. Member of Organizing Comittess of two further NATO ASI-s. Coorganizer of International Quantum Chemistry School (Hungary, 1967). Coorganizer of several International Sympozia and Workshops (New York 1969,1983; Namur (Belgium) 1978; Codirector of Cecam Workshop in Paris 1980 and 1981; Nuremberg, 1984). Coorganizer of the First , Second and Third Congresses of the International Society for Theoretical Chemical Physics (ISTCP) (Girona, Spain June 27 – July 3, 1993, New Orleans, USA April 9-13, 1996 and Mexico City November 8-13, 1999). Founder and First President of the International Society for Theoretical Chemical Physics 1990-2000.

Research interests

  • Electronic structure of molecules and polymers.
  • Development of methods: HF theory of solids and polymers. Electron correlation in molecules and polymers.
  • Treatment of disorder in polymers.
  • The effect of magnetic and electric field on polymers (non-linear optical properties).
  • High Tc superconductivity.
  • Theory of solitons in different polymers.
  • Carcinogenesis.
  • Theory of surface states.
  • Relativistic many electron theory.

Prof. Dr. Peter Otto († 13.04.2011)

Nachruf zum Tod von Prof. Dr. Peter P. Otto

Der in Bayreuth geborene Peter Otto legte sein Diplom in Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ab,  wo er 1970 bei Prof. Dr. R. Huisgen  zum Thema  „Zur Kenntnis der Cycloaddition der Ketene“ mit summa cum laude promovierte. Anschließend verbrachte er als Assistent zwei Jahre in Frankreich an der Universität Paris-Süd (Orsay) bei Prof. Dr. L. Salem und drei Jahre in Deutschland an der Technischen Universität München bei Prof. Dr. G. Hofacker bevor er 1975 an den Lehrstuhl für Theoretische Chemie zu Prof. Dr. J. Ladik an die Universität Erlangen-Nürnberg wechselte. 1979 habilitierte er an der FAU. Seit 1982 hatte er die Professur für Theoretische Chemie an der FAU inne.

Sein Arbeitsgebiet umfasste insbesonders die Untersuchung optoelektronischer Eigenschaften von Molekülen und Polymeren mit Methoden der Theoretischen Chemie. Der Einfluß von Schwingungen und Elektronenkorrelation auf Eigenschaften wie die dynamische Hyperpolarisierbarkeit standen dabei im Mittelpunkt des Interesses.

 

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Department Chemie und Pharmazie

Nikolaus-Fiebiger-Str. 10
91058 Erlangen
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